Einzelhandel: Protest hält an

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Projektgegner erheben ihre Stimme – Gemeinderat stimmt mehrheitlich für neues Einkaufszentrum

Wiernsheim. „So viel war hier ja noch nie los“, sagte Wiernsheims Bürgermeister Karlheinz Oehler mit Blick auf die vielen Besucher bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Zukunft des Einzelhandels sorgt in der Plattengemeinde derzeit für hitzige Diskussionen. Dass der Sitzungssaal am Mittwochabend aus allen Nähten platzte und einige Besucher sogar außerhalb der Türen standen, macht deutlich, wie sehr das Thema die Gemüter in Wiernsheim bewegt. Als Punkt drei stand am Mittwochabend auf der Tagesordnung, die Vorentwurfsfassung des Bebauungsplans „Seite“ zu billigen und einen Beschluss über die Umlegungsanordnung zu fassen – was letztendlich bei drei Gegenstimmen auch so geschah. Doch schon während der Einwohnerfragestunde zu Beginn erhob eine Bürgerin ihre Stimme gegen das geplante Vorhaben: „Das Einkaufszentrum ist uns ein Dorn im Auge. Wir wollen kein Prestigeobjekt, das die Idylle unseres Ortes zerstört. Die Größe des Projekts ist völlig überzogen: Ein Vollsortimenter ja, aber zusätzlich einen Discounter und einen Drogeriemarkt zu bauen, das ist purer Irrsinn.“ In naher Umgebung seien genügend Einkaufsmöglichkeiten vorhanden. Insbesondere die Notwendigkeit eines Drogeriemarkts wurde seitens der Anwesenden infrage gestellt. Auch Lärmbelästigung geben die direkten Anwohner zu bedenken, ebenso dass die geplanten Lärmschutzmaßnahmen möglicherweise nicht umsetzbar oder eine Verschandelung der Landschaft seien. Oehler entgegnete dem mit Entschlossenheit: „Es kann nicht sein, dass es überall Einkaufsmöglichkeiten gibt, nur in der eigenen Gemeinde nicht.“ Keinesfalls gehe es darum, kleinere Läden wie Bäckerei oder Metzgerei in die Enge zu treiben. Wer die kleinen Läden im Ortskern unterstützen wolle, der würde das auch weiter tun. Vielmehr wolle man die Möglichkeiten erweitern und dadurch die Gemeinde Wiernsheim beleben.

Einzelhandel: Protest hält an

Noch ist der Netto-Discounter der einzige Einkaufsmarkt in Wiernsheim. Das könnte sich ändern. Foto: Fotomoment

Diesen Gedanken teilte Gemeinderat und Landwirt Jörg Blessing (Unabhängige Liste) nicht: „Unser Ortskern wird massiv aussterben, wenn wir eine Komplettlösung anbieten.“ Statt des Netto-Marktes, der im Falle eines Discounters im neuen Gebiet die Ortsmitte verlassen würde, könnte dort Wohnbebauung entstehen. Das sei ein großes Potenzial, wie Gemeinderätin Ulrike Brandauer (SPD) findet: „Fehlender Wohnraum ist ein großes Problem bei uns. Wenn der Netto in der Dorfmitte abgerissen wird, gewinnen wir extrem wertvolle Wohnfläche.“ Etwa 70 bis 80 Wohneinheiten könnten dort entstehen. Dem stimmte auch Rafael Schwarz (SPD) zu: „Im Bezug auf die Einwohnerzahl hängt Wiernsheim bei weitem hinterher. Wurmberg, Illingen, Friolzheim, Mönsheim – alles umliegende und teilweise kleinere Orte –, die Wiernsheim überlegen sind.“ Auch Karlheinz Oehler führte dieses Thema fort, indem er den Handlungsbedarf als dringlich einstufte, um eine zukunftsfähige Struktur zu schaffen. Sonst habe Wiernsheim in der Zukunft ernsthafte Probleme, mahnte der Rathauschef. Konkurrenz für den bestehenden Netto-Markt, hieß es mehrmals, sei jedenfalls wünschenswert. Man erhoffe sich dadurch eine Verbesserung in puncto Qualität und Service.

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