Ein großer Schritt
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Konfirmation: Gedanken von Pfarrerin Gabriele Goy, Mühlacker
In diesen Tagen binden viele Achtklässler den ersten Krawattenknoten ihres Lebens. Viele Achtklässlerinnen üben heimlich zum ersten Mal, auf hohen Schuhen zu gehen, und tragen plötzlich Dekolleté. Eltern sehen Kinder vor sich, die einen großen Schritt auf dem Weg ins Erwachsenenalter gemacht haben. Der Grund dafür ist ein Fest, das alt und doch auch immer wieder neu ist: die Konfirmation. Seit 480 Jahren schreibt sie Geschichte. Der Konfirmation voraus geht der Unterricht, der bewusst so heißt, denn wir nehmen als Kirche damit den Taufauftrag Jesu ernst: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäusevangelium 28,19f)
Gabriele Goy, Mühlacker, Pfarramt PaulusII mit der Paul-Gerhardt-Gemeinde.
In den Anfängen der Christenheit taufte man in der Osternacht meist Erwachsene, die man vorher unterrichtet hatte im Glauben. Rund um das fünfte Jahrhundert setzte sich in unseren Breiten mehr und mehr die Kindstaufe durch. Die Kinder werden auf den Glauben der Eltern und Paten hin getauft. Um den eigenen Glauben entdecken und christliche Inhalte kritisch überprüfen zu können, entwickelte sich bereits während der Reformation eine Art Katechismus-Unterricht. Das Sakrament der Firmung lehnten die Reformatoren ab, weil es nicht ausdrücklich von Christus als Sakrament eingesetzt worden ist. Aber die Unterweisung der getauften Christen ist ja wichtig. In seinem Kleinen und Großen Katechismus hat deshalb Martin Luther die tragenden Sätze und Inhalte des Glaubens so zusammengefasst, dass Pfarrer, Lehrer und erwachsene Laien sie damit vermitteln können. Diese Form des Unterrichts griff der Reformator Martin Bucer auf: Er forderte ab 1534 eine „Confirmation“ junger Gemeindeglieder. Der Begriff geht auf das lateinische Wort „confirmare“ zurück: festigen, bestärken, bestätigen. Eine von Bucer entworfene Konfirmationsordnung wurde erstmals 1538 in Hessen umgesetzt. Heute hat sich der „Konfiunterricht“ verändert. Er ist lockerer geworden, verbindlich sind aber immer noch die Inhalte. Und es wird immer noch auswendig gelernt, weil wir der Überzeugung sind, dass, was man im Herzen trägt, das Reden mit Gott erleichtert. „To learn by heart“ – das englische Wort für „auswendig lernen“ zeigt diese Wahrheit.
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