Ein blühendes Paradies für Insekten

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Garten, Terrasse, Balkon: Während sich die Gärtnerei-Saison für dieses Jahr dem Ende zuneigt, bleibt der Schutz von Insekten, darunter die Wildbienen, hochaktuell. Experte Dr. Martin Hasselmann gibt Tipps für einen insektenfreundlichen Garten.

Mühlacker. Den Wildbienen kommt – wie zahlreichen anderen Insekten auch – in der Natur eine wichtige Rolle als Blütenbestäuber zu. Dadurch sorgen sie für die Erhaltung der pflanzlichen Artenvielfalt und stellen sicher, dass auch das Nahrungsangebot für andere Tierarten aufrechterhalten wird. Dr. Martin Hasselmann aus Mühlacker, Professor an der Universität Hohenheim, setzt sich unter anderem im Rahmen der Initiative „Mühlacker summt!“ zusammen mit zahlreichen Mitstreitern für den Schutz der Bienen ein. Der Experte weiß, dass für den Insektenschutz nicht immer die ganz großen Geschütze aufgefahren werden müssen. Auch Hobbygärtner können in kleinem Rahmen dazu beitragen, eine insektenfreundliche Umgebung für Käfer, Biene, Schmetterling und Co. zu schaffen. Wie das geht, verrät Martin Hasselmann hier.

Ein blühendes Paradies für Insekten

Martin Hasselmann setzt sich auch in seinem privaten Garten für Insekten ein. Die leuchtende Herbstaster sorgt für ein gutes Nahrungsangebot.Fotos: Fotomoment, Archiv, privat

Bei der Gestaltung eines insektenfreundlichen Gartens rät Hasselmann grundsätzlich zur Einhaltung der „drei goldenen Regeln“: vielfältige Nahrungsangebote, einheimische Pflanzen sowie das Schaffen und Anbieten von Nistmöglichkeiten und Nistbaumaterial. Dabei muss nicht gleich der ganze Garten umgestaltet werden – schon mit kleinen Gesten wie der Auswahl regionaler Sorten oder dem Aufstellen von Nisthilfen ist viel getan. Einige Blumen wie Geranien oder Petunien sind zwar sehr beliebt, aber gar nicht so nützlich für Insekten, wie man meinen könnte. Viele beliebte Blumen verfügen in der Regel über sehr wenige Pollen. Sorten wie die gefüllten Dahlien erschweren es Insekten zusätzlich, an Pollen zu gelangen. Hobbygärtner können ihr Blumenangebot daher unkompliziert durch insektenfreundliche Sorten und Gewächse ergänzen. Bei der Auswahl der Pflanzen sei eine Vielfalt von Kreuz-, Lippen-, Schmetterlings- und Doldenblütlern anzustreben, so Hasselmann. Viele Wildbienen seien nämlich extreme „Blütenpollenspezialisten“ und benötigten beispielsweise vorrangig den Pollen von Glockenblumen. Damit rund ums Jahr ein vielfältiges Nahrungsangebot besteht, bietet sich bei der Auswahl von Staudenpflanzen eine Sortenmischung an, die zu unterschiedlichen Zeiten blüht. Gerade jetzt im Herbst könnten die Stauden gut gepflanzt oder vereinzelt werden. Bei der insektengerechten Gartengestaltung ist auch das Einbeziehen verschiedener Strukturen hilfreich. „Über 70 Prozent der Wildbienen brüten im Boden, daher sind offene, sandige Bereiche im Garten wichtig“, erklärt der Bienenexperte. Daneben bilden markhaltige Pflanzenstängel, etwa die von Königskerzen oder Brombeeren, aber auch Totholz und Schneckenhäuser geeignete Nistmöglichkeiten. Sehr wichtig und hilfreich sei, die Gärten und Beete zum Herbstbeginn nicht komplett zu säubern, sondern trockene Stängel bewusst stehenzulassen. Die meisten Wildbienen befänden sich im September schon in der Winterpause, was bedeute, dass sich aktuell die nächste Insektengeneration als Larve in den Nestern entwickelt. In trockenen Staudenstängeln von Stockrosen, wilden Möhren, Disteln oder den oben erwähnten Königskerzen überwinterten dabei nicht nur Wildbienen, sondern auch andere Insekten gerne, darunter viele kleine Käferlarven und parasitische Wespen.

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