Ein „Zigeunerwäldle“, viele Fragen

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Wo heute zwischen Ölbronn und Dürrn ein Kinderspielplatz steht, sollen vor 1939 regelmäßig Menschen campiert haben. Ob die wohl so entstandene Bezeichnung und ähnliche Namen, die das Wort „Zigeuner“ beinhalten, heute geändert werden sollten, ist umstritten.

Enzkreis. Tradition oder unterschwelliger Rassismus? Schon seit Jahren fordern Vertreter von Sinti und Roma, Bezeichnungen wie „Zigeunersoße“ und „Zigeunerschnitzel“ zu ändern. Der Begriff „Zigeuner“ sei, so der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in einer Stellungnahme auf seiner Internetseite, eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft. Sie werde als diskriminierend empfunden.

Ein „Zigeunerwäldle“, viele Fragen

Der Spielplatz, der nach dem an ihn angrenzenden Wald benannt ist, gelangt nun zu Aufmerksamkeit angesichts der ursprünglich in den USA ausgelösten Antirassismus-Diskussion. Foto: Fotomoment

Ein großer Lebensmittelkonzern hat jüngst reagiert, aus seinem Produkt eine „Paprikasoße ungarischer Art“ gemacht und die Diskussion damit neu entfacht. Ist die Sprachpolizei am Werk, wie ein Leser unserer Zeitung in einer Zuschrift befürchtet, die sich auf einen im Volksmund „Zigeunereiche“ genannten Baum zwischen Zaisersweiher und Diefenbach bezieht? Müsste der nicht umbenannt werden? Die gleiche Frage stellt sich auch beim „Zigeunerwäldle“ in Ölbronn-Dürrn. Die historischen Hintergründe solcher Bezeichnungen seien nicht leicht zu ergründen, verdeutlicht Kreisarchivar Konstantin Huber an diesem Beispiel. Hier, zwischen Ölbronn und Dürrn, befindet sich heute ein Spielplatz. Der Name tauche in Archivquellen nirgendwo schriftlich auf, weiß Huber aus der umfangreichen Recherche für die Dürrner Ortschronik, deren Verfasser er ist. Er beruhe wohl auf der mündlichen Überlieferung. Anscheinend sei das Areal vor dem Zweiten Weltkrieg als Lagerplatz von Landfahrern genutzt worden, die die Bevölkerung nicht im Ort habe sehen wollen. Erzählungen zufolge hätten die Frauen im Dorf gebettelt. Im 18. Jahrhundert gebe es in schriftlichen Quellen Hinweise auf Äcker am Zigeunergässle. Ein örtlicher Zusammenhang zum heutigen Zigeunerwäldle sei aber unwahrscheinlich, sagt Konstantin Huber. Generell fielen ihm – von der Eiche nahe Zaisersweiher abgesehen – spontan keine ähnlich benannten Orte im Enzkreis ein.

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