Ein Wälzer auf dem Prüfstand
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Günther Mahal veröffentlicht eine Abhandlung über das Faustbuch von Georg Rudolff Widman
Knittlingen/Maulbronn. Ein Buch von „monströser Langeweile“, dem Kritiker „wucherndes Unkraut“, „ungehemmte Kommentierwut“ und „gehobene Quasselei“ bescheinigen: Weshalb bitte sollte sich ein Wissenschaftler mit einem solchen schwer lesbaren 700-Seiten-Schmöker aus dem Jahr 1599 befassen, der schon bei frühen Rezipienten auf teils drastisch formulierte Ablehnung stieß? Günther Mahal hat sich nicht abschrecken lassen und legt mit seiner klar gegliederten und übersichtlichen Darstellung „1599: Das Faustbuch von Georg Rudolff Widman“ eine lesenswerte Abhandlung über eben jenes vielgeschmähte, aber dennoch für die Faust-Forschung nicht zu unterschätzende Werk vor.
Im Faust-Geburtshaus nahm eine Vita ihren Anfang, die viele Autoren inspirierte. Foto: Becker
Nicht nur intime Kenner der Faust-Materie, sondern auch neugierige Laien sind angesprochen, wenn der Experte das Werk und seine Bedeutung beleuchtet, das zum einen die „wahrhafftigen Historien von den grewlichen und abschewlichen Sünden und Lastern“ des Johannes Faustus erzählt und diese zum anderen in „Erinnerungen“ genannten Zusätzen moralisch einordnet. Zielgruppe war, wie Mahal schreibt, eine wohlgebildete Leserschaft. Insbesondere evangelische Pastoren bekamen Stoff für ihre häufig länger als eine Stunde währenden Predigten an die Hand geliefert. Bewusst will sich das Faustbuch absetzen von der früher erschienenen „Historia von D. Johannes Fausten“, schwingt den erhobenen Zeigefinger, indem es in der Hauptsache vor Fausts Müßiggang warnt, und geißelt gleichzeitig die „grosse Finsterniß des Bapstumbs“. Mehr als eine Auflage erreichte der Wälzer allerdings nicht. Auch die Widman-Forschung fällt bislang spärlich aus. Zu Recht?
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