Duo überzeugt mit herausforderndem Programm
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Der ehemalige Maulbronner Seminarist und Bariton Conrad Schmitz gastiert mit einem Liederabend der Kontraste im Kloster
Maulbronn. In hohem Maße anspruchsvoll ist der Liederabend „Hinauf strebt’s, hinauf!“ mit dem Bariton Conrad Schmitz und der ihn begleitenden Pianistin Freya Jung gewesen, der am Sonntagabend im renovierten Oratorium des Klosters Maulbronn gegeben wurde. Lieder von Franz Schubert standen zeitgenössischen Werken gegenüber, unter anderem der Uraufführung des Stücks „Papa“ des 25-jährigen Komponisten Marius Schötz.
Der Titel des Abends entsprach einer Zeile aus dem Lied „Ganymed“, das Franz Schubert nach einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe komponierte. Mit diesem Stück wurde das etwa eineinhalbstündige Programm eingeleitet. Vom ersten Moment an beeindruckte Conrad Schmitz, ehemaliger Schüler des Evangelischen Seminars Maulbronn und Blaubeuren, mit seinem volumenreichen, warm und füllig klingenden Bariton, der die akustischen Verhältnisse im Oratorium des Klosters Maulbronn fast schon überforderte. Auch die Lieder „Der Musensohn“ und „Sehnsucht“ von Franz Schubert gestaltete er mit markantem, zuweilen dramatischem Ausdruck, dem er aber auch empfindsame, lyrische Passagen gegenüberstellte. Noch impulsiver führte Conrad Schmitz am Ende des Liederabends die Schubert-Lieder „Gruppe aus dem Tararus“ sowie „An Schwager Kronos“ aus. Am Klavier begleitete Freya Jung mit virtuoser Interpretation der eigenständigen Begleitkomposition, wobei sie den vitalen Klang der Stimme von Conrad Schmitz mit ihrem Spiel ausgewogen unterlegte. Dieses ideale Zusammenwirken der beiden Künstler ließ auch eine sehr bewegende und berührende Aufführung der „Vier ernsten Gesänge“, Opus 121, von Johannes Brahms, in denen Bibeltexte vertont sind, entstehen. Im Mittelpunkt des Programms standen allerdings zwei Kompositionen der Gegenwart. In der Uraufführung des Stücks „Papa“ von Marius Schötz, der anwesend war, entfaltete Conrad Schmitz außer im noch mit verhaltenem Stimmeneinsatz dargebotenen, gesungenen ersten Teil, eine enorme, höchst emotionale und expressive darstellerische Perfektion in einem unter Einsatz eines Mikrofons nur gesprochenen Textteil. Von sparsamer Tonfolge getragen war der Text des ersten Teils, umso machtvoller brachen die kompakten Wortkaskaden über die Zuhörer herein, mit denen die kritische verbale Auseinandersetzung eines Sohnes mit seinem nur selten ihm begegnenden Vater dargestellt wurde.
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