Drängler zeigt den Stinkefinger
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Raser rastet auf der A8 aus und kassiert einen Strafbefehl, den er nicht akzeptieren will
Maulbronn. Versuchte Nötigung und Beleidigung wirft die Staatsanwaltschaft einem 47-jährigen Regionalleiter vor, der es am 25. Juni 2017 gegen 17.10 Uhr auf der A8 bei Friolzheim eilig hatte. Leider war auf der linken Spur ein Range Rover unterwegs, der dem flinken Renaultfahrer etwa zu langsam erschien. Dies signalisierte der 47-Jährige dann deutlich mit seiner Lichthupe, außerdem drängelte er so, dass er sich fast in den Range Rover reinbohrte. Da der Fahrer des SUV im Rückspiegel beste Sicht auf den Drängler hatte, erkannte er auch, dass dieser mit dem Stinkefinger zeigte, was er von ihm hält. Den Stinkefinger soll er dann gleich noch einmal eingesetzt haben, als er rechts an dem Range Rover vorbeischoss und sich wieder auf die linke Überholspur einsortierte.
Den Strafbefehl – 35 Tagessätze à 30 Euro und ein Monat Fahrverbot – wollte der Regionalleiter allerdings nicht akzeptieren, weshalb gestern vor dem Maulbronner Amtsgericht der Fall noch einmal aufgerollt werden sollte. Dazu kam es aber nur im Ansatz, denn Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernd Lindner signalisierte dem Mann, dass er mit dem Strafbefehl eigentlich noch ganz gut weggekommen sei, und machte eine Beispielrechnung auf. Sollte sich der Vorwurf der Beleidigung als unhaltbar herausstellen, könne zwar die Anzahl der Tagessätze gesenkt werden, allerdings seien 30 Euro Tagessatzhöhe, die errechnet wurden aus einem geschätzten verfügbaren Monatseinkommen nach Abzug aller fixen Kosten von 900 Euro, für einen Regionalleiter mit Dienstwagen und großem Aufgabengebiet doch ziemlich moderat. Lindner machte deutlich, dass er, sollte er ein Urteil fällen müssen, wahrscheinlich zu einem höheren Tagessatz komme, weil er davon ausgehe, dass der Mann mehr Geld als 900 Euro im Monat zur Verfügung hat. „Sie können sich jetzt ausrechnen, was günstiger ist: Entweder Sie akzeptieren den Strafbefehl über 35 Tagessätze à 30 Euro oder ein mögliches Urteil über beispielsweise 25 Tagessätze à 60 Euro“, appellierte Lindner an den Raser, wirtschaftlich zu denken und nicht wie Michael Kohlhaas in der Novelle von Heinrich Kleist für eine vermeintliche Gerechtigkeit ins Feld zu ziehen und dabei am Ende doch den Kürzeren zu ziehen.
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