Die unerhörte Leichtigkeit der Musik
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Die „Kammermusikwoche Bernd Glemser und Freunde“ geht mit einem außergewöhnlichen Konzert zu Ende
Maulbronn. Für das Abschlusskonzert der „Kammermusikwoche Bernd Glemser und Freunde“ hatten sich die Verantwortlichen etwas ganz Besonderes ins Kloster geholt. Der in den zurückliegenden diesjährigen Konzerten genial auftrumpfende Bernd Glemser hatte nicht nur das delian::quartett, sondern auch den Violinisten Friedemann Eichhorn zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen.
Friedemann Eichhorn (v.li.), Bernd Glemser und das delian::quartett. Foto: Fotomoment
Die Bühne gehört an diesem Abend zunächst dem internationalen Spitzensemble delian::quartett, das mit dem Streichquartett opus 33,1 von Joseph Haydn energisch beginnt. Viel Bewegung steckt dabei in den Musikern, die mit sichtlicher Begeisterung den trickreichen Haydn zur Geltung bringen. Dazwischen liegen vor allem im Andante lyrische Passagen von wahrer Schönheit, die einen intensiven Spannungsbogen aufweisen. Die eigentliche „Unerhörtheit“ des Quartetts kommt dabei gut zur Geltung, denn die Hauptkunst des Ensembles ist es, die Strukturen eines Werkes deutlich hervortreten zu lassen. Und so sind die einzelnen Themen und Motive gut zu hören, die sich in den Gesamtklang und die Gesamtstruktur deutlich, aber nicht aufdringlich einfügen. Dank der guten Absprache zwischen den Musikern geraten auch die Abschnitte mit motivisch-thematischer Arbeit wunderbar anschaulich. So kann der vielgerühmte Haydn’sche Witz wirksam werden, und so mancher Zuhörer dürfte mehr als einmal geschmunzelt haben. Der letzte Satz gerät eher zu einem Prestissimo denn zu einem Presto, aber da sich hier Werk und Interpreten gefunden haben, ist der Satz ein weiterer Stern an diesem Abend. Darüber hinaus hat das delian::quartett einige Fugen und den Choral „Vor deinen Thron tret’ ich hiermit“ aus der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach nach Maulbronn mitgebracht. Auch hier überzeugt das Ensemble mit seiner Interpretation. Klar und unaufgeregt, leicht und pointiert, in sich verwoben und sich ergänzend und doch so fein und klar durchhörbar erklingen die Werke, dass die einzelnen Feinheiten der kunstvollen Fugenkonstruktionen nicht nur deutlich werden, sondern Musik.
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