„Die mentale Belastung in der Bundesliga ist enorm“

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Ötisheim. Auch Dieter Hammer war geschockt, als er vom Suizid-Versuch seines jungen Kollegen in Köln erfuhr. Näher äußern will er sich nicht, ohne die genauen Umstände zu kennen. Nur so viel: „Die mentale Belastung der Schiedsrichter in der Bundesliga ist enorm hoch“, sagt Dieter Hammer, der für den 1.FCCalmbach pfeift, im Fußballkreis Pforzheim als Schiedsrichter-Lehrwart engagiert ist, und in den 80er und 90er Jahren bei 117 Bundesliga-Partien als Linienrichter fungierte. Verantwortlich für den seelischen Druck sei nicht zuletzt die Rundum-Beobachtung durch die Medien, die jede Fehlentscheidung entlarven und dann genüsslich sezieren. „Der Schiedsrichter hat eben keine acht Kameraperspektiven und keine Zeitlupe. Er hat nur eine Perspektive und muss in Echtzeit entscheiden“, betont Hammer. Das sei heute noch schlimmer als zu seiner Bundesliga-Zeit: „Wir haben nur geguckt, wo die Geräuschmikrofone stehen und wo die Hintertor-Kamera. Danach konnte man sich entsprechend verhalten.“Umgangston unter den Profis ist rauer als bei den AmateurenWährend der Umgangston auf dem Platz zwischen den Spielern in der Bundesliga um einiges ruppiger sei als auf Kreisliga-Ebene, seien es in den unteren Spielklassen eher die Zuschauer, die durch schlechtes Benehmen auffielen. Vielleicht aber bekommt der Referee Beschimpfungen im großen Stadion aber einfach weniger mit.

Schiedsrichter Dieter Hammer (Mitte) kennt beides: A-Liga-Fußball wie gestern in Ötisheim und Länderspiel-Kribbeln in großen Arenen. Foto: Eigner

Schiedsrichter Dieter Hammer (Mitte) kennt beides: A-Liga-Fußball wie gestern in Ötisheim und Länderspiel-Kribbeln in großen Arenen. Foto: Eigner

Im gestrigen Spiel beim TSV Ötisheim bescheinigten beide Parteien dem mittlerweile 60-jährigen Referee eine tadellose Leistung. „Er pfeift konsequent, ohne Fehler und mit Humor. Einfach klasse!“, lobte Knittlingens Trainer Eberhard Braun. Auch Ötisheims Coach Helmut Frey war von Hammers Leitung angetan: „Er macht den Spielern klar, entweder du hältst die Klappe oder riskierst eine Karte. Und das ist auch gut so.“

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