Die Schönste kommt aus Knittlingen
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Warum Heine von einer Schwäbin schwärmte, die nicht nur mit äußeren Qualitäten punktete.
Knittlingen. Über Geschmack lässt sich streiten, keine Frage. Wer heute als besonders ansehnlich gilt, muss den Menschen vor 200 Jahren noch lange nicht gefallen haben – und umgekehrt. Dennoch scheint es unter den Gebildeten des frühen 19. Jahrhunderts keine zwei Meinungen gegeben haben: „Die schönste aller Frauen“, wie Heinrich Heine schwärmte, war die Schwäbin Friederike, und wenn sie wollte, könnte sich die Stadt Knittlingen dieser Frau rühmen. Der gescheiterte Goldproduzent Faust ist nämlich nicht das einzige berühmte Kind, das dort aufwuchs. Doch welcher junge Mensch kennt den Star der Berliner Salons heute noch in Friederikes Heimat? Dem drohenden Vergessen wirkt auch nicht entgegen, dass ihre Geburt jubiläumsverdächtige 225 Jahre zurückliegt.
„Madame Robert“ wurde sie genannt, geboren wurde sie als Friederike Braun. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Knittlingen. Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 3/36 a Bü 659
Fairerweise muss man hinzufügen, dass Friederike Braun, die als Madame Robert berühmt werden sollte, am 29. April 1795 nicht in Knittlingen, sondern in Böblingen ihren ersten Schrei tat. Doch das Mädchen – Kind Nummer sieben des aus Knittlingen stammenden Lehrers Gottfried Braun – zog noch im Säuglingsalter in die Geburtsstadt des Vaters, der dort die Stelle des Präzeptors an der Lateinschule übernahm. Zu Brauns Schülern zählte der junge Justinus Kerner, der in seinem „Bilderbuch aus meiner Knabenzeit“ Einblicke in das Wesen und die Methoden des „guten Lateiners und strengen Erziehers“ gibt. Sei Braun zu ihm selbst recht milde gewesen, so habe er die eigenen Söhne mit drakonischer Härte behandelt, schreibt Kerner. Dem späteren Arzt und Dichter, der auch Dürrmenz als Lebensstation in seiner Vita hat, ist nicht nur Positives aus Knittlingen in Erinnerung geblieben. Das Haus des Präzeptors habe, „hinter einer Kirche versteckt, eine sehr fatale Lage“ gehabt. Fatal insofern, als es keinen anderen Platz für den Misthaufen als die Fläche direkt vor dem Haus gegeben habe.
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