Die Linde als Fallbeispiel

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Maulbronner Stadtbaumeister nimmt seine Mitarbeiter gegen Kritik in Schutz

Maulbronn. Sie war hohl und nicht mehr standhaft, dadurch wurde sie zu einem Sicherheitsrisiko. Das hat nach einem gründlichen Abwägungsprozess zur Vollstreckung einer Maßnahme geführt, die heutzutage oft heftigen Protest hervorruft. Eine tückische Krankheit hatte die alte Winterlinde im Maulbronner Klosterhof vor dem Rathaus ausgehöhlt, sie war nicht mehr standfest. Der Brandkrustenpilz verrichtete im Stillen sein todbringendes Werk. Von der Wurzel fraß sich der Pilz Meter für Meter nach oben in Richtung Baumkrone. Die Stadtverwaltung Maulbronn hatte keine Wahl, sie musste die über 100 Jahre alte Winterlinde fällen.

Nur noch ein Stumpf zeugt von der über 100 Jahre alten Winterlinde im Klosterhof, die von einem Pilz ausgehöhlt worden war und deshalb gefällt werden musste.

Nur noch ein Stumpf zeugt von der über 100 Jahre alten Winterlinde im Klosterhof, die von einem Pilz ausgehöhlt worden war und deshalb gefällt werden musste. Foto: Fotomoment

Auf das Kreischen der Motorsägen, die am Donnerstagmorgen am 20. Februar in aller Frühe angelassen wurden, gab es bis jetzt keine Reaktionen aus der Bevölkerung. Das stimmt nicht ganz. Klaus Krüger, der im Klosterhof seit vielen Jahren in einer direkten Sichtbeziehung zur Winterlinde lebt, machte sich für den Erhalt des stattlichen Baumes stark. Allerdings sah auch der 74-Jährige am Ende ein, dass das Gewächs nicht mehr zu retten war. „Ich mache niemandem einen Vorwurf, doch wenn man so einen Baum ein Leben lang sieht, dann blutet einem schon das Herz, wenn er plötzlich nicht mehr dasteht.“ Nicht jeder Baumfreund ist so einsichtig wie Krüger. Das weiß der Maulbronner Stadtbaumeister Karl Velte, Chef des Bauhofs, aus Erfahrung. Er nutzte die jüngste größere Fällaktion deshalb für einen öffentlichen Appell an die Bürger, die seine Mitarbeiter bei Baumschnittarbeiten und Fällaktionen häufig scharf kritisierten. Die Stadt sei bei Gefahr im Verzug in der Pflicht, außerdem mache sie es sich bei markanten Bäumen, die über Jahrzehnte gewachsen seien, nie leicht, so Velte. Die Verwaltung trage aufgrund ihrer Verkehrssicherungspflicht eine hohe Verantwortung und hafte für Schäden. „Im Falle beschädigter Autos oder anderer Gegenstände ist das schon schlimm genug, sollte jedoch ein Mensch durch einen herabstürzenden Ast verletzt werden, müssen wir gar nicht weiterreden.“ Aus diesem Grund sei es traurig, dass denjenigen, die diese hohe Verantwortung trügen, immer wieder unterstellt würde, sie fällten die Bäume grundlos oder geradezu aus Spaß, beklagt sich Velte. „Immer wieder sehen wir uns mit Anschuldigungen konfrontiert, die jeglicher Sachlichkeit entbehren.“ Das Beispiel der Linde im Klosterhof mache deutlich, dass die Bäume, die die Stadt fällen lasse, nicht mehr zu retten seien. „Das Gutachten eines Fachbüros hatte bereits im Juni 2013 empfohlen, den Baum zu entfernen“, berichtet der Stadtbaumeister. Rund 1000 Euro hat die Verwaltung in das Gutachten gesteckt, 4500 Euro hat sie für eine neue Winterlinde in die Hand genommen, die an gleicher Stelle für die kranke Vorgängerin eingepflanzt wird. „Wegen des Pilzes wird der Boden komplett ausgetauscht“, sagt Velte. In den nächsten 14 Tagen solle der neue Baum, der an die acht Meter hoch und bereits 20 Jahre alt sei, eingepflanzt werden. Auch Klaus Krüger freut sich über den Ersatz. „Dass der schon so groß ist – einfach toll.“

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