„Die Krise hat viele Leute reingeritten“
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Eine junge Deutsch-Griechin wagt in schwierigen Zeiten den beruflichen Neubeginn auf Kreta
Die Krise hat Griechenland im Griff. Doch trotz Rekordarbeitslosigkeit und Haushaltsdefizit gibt es Geschichten, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen. Eine davon schreibt die aus Mühlacker stammende Irini Nikolakakis.
Zwischen Oliven- und Zitronenbäumen fühlt sich Irini Nikolakakis wohl. Vor Kurzem arbeitete die 32-Jährige noch als Lobbyistin und lebte in Berlin, jetzt vermietet sie Ferienwohnungen in Chania. Foto: privat
Chania. Das Finanzdrama um Griechenland geht in eine neue Runde. Der Staat ist seit 2010 abhängig von Krediten. Hohe Arbeitslosigkeit und Armut lähmen die Gesellschaft. Gerade junge und gut ausgebildete Griechen kehren ihrem Heimatland wegen der Krise den Rücken. Irini Nikolakakis ist 32 Jahre alt, hat Englisch, Spanisch und im Nebenfach Volkswirtschaftslehre studiert und macht genau das Gegenteil: Die Deutsch-Griechin wagt auf Kreta mit der Vermietung von Ferienwohnungen in diesen Tagen den Sprung in die Selbstständigkeit. Die junge Frau hatte einen Job im Büro der Bundestagsabgeordneten Katja Mast und anschließend beim Deutschen Tierschutzbund. Für die Organisation war sie als Lobbyistin viel zwischen Berlin, Brüssel und Bonn unterwegs und lebte häufig aus dem Koffer. Irgendwann kam der Punkt, an dem sie spürte, dass sie sich verändern will. Inzwischen sind die Ferienwohnungen in Chania fertig eingerichtet, die Werbung für die Apartments ist im Internet angelaufen. Nikolakakis ist von jetzt an ihre eigene Chefin und kümmert sich um die Büroarbeit ebenso wie ums Putzen. Im März kommen die ersten Kunden, die ihren Urlaub in einem kleinen Wohnkomplex verbringen werden, der zur Hälfte an Griechen vermietet ist, die dort dauerhaft leben. „Ich möchte, dass meine Gäste mit den Einheimischen zwanglos in Kontakt kommen können.“ Nikolakakis hat die doppelte Staatsbürgerschaft und lebte schon immer zwischen zwei Welten. In Griechenland wird die 32-Jährige vor dem Hintergrund der Spannungen, die sich im Zuge der Krise zwischen Athen und Berlin aufgebaut haben, immer wieder auf ihre deutschen Wurzeln angesprochen – meist mit einem Augenzwinkern. „Leg doch ein gutes Wort bei Merkel für uns ein“, heiße es dann etwa.
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