Die Emotionen kochen hoch
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Bei einem Informationsabend zum Thema Bienenschutz und Landwirtschaft werden konträre Positionen formuliert
Bienenschutz und Landwirtschaft: Wie passt das zusammen? Ein Thema, das Landwirten, Imkern und Bienen-, Insekten- und Naturschützern schon länger auf den Nägeln brennt und bei einem Diskussionsabend erörtert wurde.
Kontrastprogramm zur Monokultur: Über diese Blütenpracht müssten sich Biene und Co. eigentlich freuen. Foto: Filitz
Ölbronn-Dürrn. Der Bauernverband Enzkreis hatte in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsamt zu einer Informationsveranstaltung mit hochkarätigen Referenten ins Ölbronner „Bahnhöfle“ eingeladen. Vorsitzender Ulrich Hauser begrüßte rund 100 Teilnehmer, die die Gaststube bis in die letzte Ecke füllten. „Pauschale Urteile zulasten der Landwirtschaft waren der Anstoß zu dieser Veranstaltung, und irrige Meinungen werden hoffentlich entkräftet“, formulierte er seine Erwartung an den Abend. Zwei Vorträge von anerkannten Sachverständigen sollten Licht in den Informationsdschungel bringen. Dr. Silvio Knäbe von Eurofins Deutschland referierte über die Anforderungen an die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland. Eurofins ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das in eigenen Analyselaboren bioanalytische Dienstleistungen in vielen Bereichen anbietet, darunter auch solche, die die Umwelt betreffen. Detailliert erklärte er die Prüfverfahren und Bedingungen, unter denen das Bundesamt für Verbraucherschutz Pflanzenschutzmittel (PSM) zulässt. Rund 50 Prozent der Fläche Deutschlands werde landwirtschaftlich genutzt, pro Hektar würden jährlich durchschnittlich 8,8 Kilogramm Pflanzenschutzmittel beziehungsweise 2,8 Kilogramm Wirkstoff je Hektar Anbaufläche eingesetzt. Zugelassen sei in Deutschland eine Fülle von PSM mit genauen Regularien, wann sie eingesetzt werden dürfen. „Wichtigster Punkt im ganzen Regelwerk ist der Passus: bei sachgerechter Anwendung...“, betonte Knäbe. „Dann sind Schäden, auch am Bienenbestand, ausgeschlossen. Bekämpft werden mit den zugelassenen PSM solche Schädlinge, die unter den Pflanzkulturen auf den Äckern Schäden verursachen.“ Nicht umhin kam der Referent, den Tod von 12500 Bienenvölkern 2008 im Oberrheingraben zu erklären. Bei der Aussaat von Maissaatgut, zuvor gebeizt mit einem Pestizid, hatte sich damals pestizidhaltiger Staub gebildet und wurde über weite Flächen verteilt. Seither gelten Pestizide aus dieser Klasse als Bienenkiller, obwohl die Anwendung sofort nach dem Unfall verboten worden sei. Nicht alle Ausführungen des Referenten fanden ungeteilte Zustimmung unter den Anwesenden. Es seien mehr Fälle von Bienenschäden nachweisbar, die Darstellung verfälsche belegbare Tatsachen, meinte ein Zuhörer.
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