Der Zauber des Wesentlichen
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Ausstellung im Volksbankhaus beleuchtet die Matthäuskirche
Pforzheim. An dem vor nunmehr 61 Jahren eingeweihten Kirchenschiff, das mit seinen bunten Glasfenstern an eine Bienenwabe erinnert, kommt man nicht vorbei. Zumindest nicht, wenn man Architektur-Fan ist und erst recht nicht, wenn man sich für den nun bevorstehenden „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag interessiert. Und auf diesen und ganz konkret auf die von Egon Eiermann gestaltete Matthäuskirche stimmt eine Ausstellung im VolksbankHaus ein, mit perspektivisch interessanten Fotoarbeiten von Schülern des Berufskollegs Grafik-Design der Pforzheimer Akademie für Kommunikation und Texten von Schülern des Technischen Gymnasiums. Genannt „Der Zauber des Wesentlichen“ und so etwa wie eine Fortsetzung der vor einem Jahr zum 60-jährigen Jubiläum des Bauwerks gezeigten Ausstellung in der Kirche. Allerdings mit einem anderen Akzent.
Designer Hans Theo Baumann mit seiner Frau Luise und Tochter Luis Lenz. Foto: Roth
Es genügt zwar, den Begriff „Eiermann-Kirche“ im Internet einzugeben, doch das ist nur die eine Hälfte des Gesamtkunstwerks des berühmten Nachkriegs-Architekten. Er gab der Kirche die Gestalt, er schuf das Gehäuse. Die Augen aber, die tausendfach ins Tageslicht blinzeln, die farbigen Waben, die sind das Werk des Glasdesigners Hans Theo Baumann, den Egon Eiermann beim Bau der Kirche Anfang der 1950er Jahre immer an seiner Seite wusste, und der unter großem Hallo und Respektbekundungen mit seiner Familie bei der Vernissage am Donnerstagabend erscheint. Der mittlerweile fast 90-jährige Hans Theo Baumann, der mindestens 50 Jahre deutsche Design-Geschichte geschrieben hat und das nicht nur mit Hilfe von Glas. Wie von Kuratorin Chris Gerbing zu erfahren ist, haben Flugreisende Erster Klasse in den 1960er Jahren von seinem Geschirr gespeist, Designfreunde auf dem ersten Vitra-Stuhl aus dem Hause Baumann Platz genommen. Durch die Ausstellung wird klar: Eiermann und Baumann haben zusammen in Gestalt der Matthäuskirche Bahnbrechendes geschaffen. Der Architekt, indem er aus dem zermahlenen Bauschutt das alte Pforzheim in neuen Steinen hat weiterleben lassen; der Glasdesigner, indem er zum ersten Mal in einem komplizierten Abkühl-Verfahren Dickglas verarbeitete.
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