Der Masse Mensch beraubt
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Symbolistisches Rezitationstheater: Murat Yeginer inszeniert „Dantons Tod“ von Georg Büchner in Pforzheim
30 Rollenträger, ohne das Volk, braucht Georg Büchner, um sein Drama „Dantons Tod“ auf der Bühne zu verwirklichen. Schauspieldirektor Murat Yeginer benötigt für seine Inszenierung nur fünf Darsteller. Das Ergebnis: symbolistisches Rezitationstheater. In pausenlosen 80 Minuten ist die Aufführung des Vierakters in Pforzheim zu Ende.
Mathias Reiter (Robespierre), Jens Peter (St. Just), Christine Schaller (Julie), Mario Radosin (Desmoulins) und Jörg Bruckschen (Danton, v.li.). Foto: privat
Pforzheim. Die Nachwirkungen der Französischen Revolution von 1789, nicht zuletzt im persönlichen Bereich der Beteiligten, ist das Thema von „Dantons Tod“. Trotz der im Mittelpunkt stehenden Guillotine ist das in den ersten zwei Monaten des Jahres 1835 von dem damals 21-jährigen Medizinstudenten Georg Büchner in Darmstadt, zwei Jahre vor seinem Tod in Zürich, geschriebene Theaterstück mehr eine Philosophie denn ein Drama der Revolution. Nicht die geringe äußere Dramatik der analytischen Szenenfolge ohne entscheidende Wendung ist es, die den Reiz dieses schon recht reifen Jugendwerks eines Frühvollendeten ausmacht. Vielmehr ist die innere Spannung der Gesellschaft und der sie repräsentierenden Individuen das entscheidende, wenn vielleicht auch nicht das bühnenwirksamste Element dieser erst 1902 durch den Verein Freie Volksbühne im Berliner Belle-Alliance Theater uraufgeführten Skizze aus der Zeit der Französischen Revolution. Dieses Handicap, wie manche meinen, zu überspielen, suchen immer wieder Regisseure, um des sich sonst angeblich langweilenden Publikums willen, ihr Heil in einer Inszenierung der „Dramatischen Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft“, wie der Herausgeber Eduard Duller das Drama im Untertitel verfälschend nannte, als es 1835 im Verlag J. D. Sauerländer gedruckt wurde. In Wirklichkeit versuchen jedoch diese Regisseure lediglich aus der Not, keine „innere Spannung“ inszenieren zu können, eine Tugend zu machen.
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