Der Hoffnungsträger vom Kap
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Wege zum Ruhm: Wie in Dürrmenz eine frühe „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Variante ihren Ausgang nahm
Mühlacker. Johannes Müller – ein Allerweltsname, wie ihn Tausende tragen. Jener Johannes Müller jedoch, der am 24. März 1769 in Dürrmenz das Licht der Welt erblickte, kann eine außergewöhnliche Vita vorweisen, und obgleich er seiner Heimat früh den Rücken kehrte, hat er dort als Wohltäter Spuren hinterlassen. „Wie ein Märchen“, schreibt Karl Knöller in seinem Heimatbuch „Unser Dürrmenz-Mühlacker“ lese sich die Geschichte der von Müller initiierten Stiftung. Heute erinnert ein Weg zwischen St. Andreas- und Otto-Rieger-Straße an den zum Baron aufgestiegenen Sohn eines einfachen Mannes.
Eine Dürrmenzer Erfolgsgeschichte schlägt sich im Stadtbild nieder. Foto: Becker
Wie im Märchen spielt ein gekröntes Haupt eine entscheidende Rolle: Der württembergische Herzog Carl Eugen hatte 1786 mit der Niederländisch-Ostindien Kompagnie vereinbart, ein Regiment von knapp 2000 Mann für den Dienst am Kap der Guten Hoffnung aufzustellen. Auch ohne digitale Medien wussten die Menschen in Württemberg bestens Bescheid über den Abmarsch am 26. Februar 1787 in Ludwigsburg. Die bunte Truppe durchquerte auf ihrem anstrengenden Weg nach Dünkirchen auch Dürrmenz, und nun befand sich in ihren Reihen – Handwerker waren gesucht – auch der 17-jährige Metzgerlehrling Johannes Müller. Zurück ließ er seine Eltern und drei Schwestern. Wie es dem jungen Mann auf der abenteuerlichen, für viele Mitreisende todbringenden Schifffahrt und schließlich am Ziel in Südafrika weiter erging, schildert die Mühlacker Heimatforscherin Elisabeth Brändle-Zeile eindringlich und detailliert in ihrem Beitrag zum Band „Historische Streiflichter 1596 bis 1945“. Die zahlreichen Quellen, die sie gesichtet und ausgewertet hat, lassen sie das Bild eines fleißigen, cleveren Mannes mit Unternehmergeist zeichnen, der in der Lage war, ungünstige Ereignisse ins Positive zu kehren. Aus dem Umstand, dass die angeheuerten Soldaten nicht in der versprochenen Währung bezahlt und damit um einen beträchtlichen Teil ihres Solds gebracht wurden, erwuchs die Idee, ins Geldgeschäft einzusteigen. Zudem eröffnete er eine Kantine, in der viele andere Auswanderer Ablenkung von Heimweh und Krankheit suchten. Als die Ostindische Kompagnie 1791 die Württemberger auf holländische Inseln wie Ceylon und Java verlegte, gab Johannes Müller seine Kantine zugunsten eines in einem belebteren Viertel von Kapstadt gelegenen Kram- und Fleischerladens auf. „Dem sparsamen, umsichtigen und geordneten Mann glückte alles, was er in die Hand nahm“, heißt es bei Elisabeth Brändle-Zeile. Auch politische Veränderungen habe er für sich zu nutzen gewusst: „Er übernahm als mehrsprachiger und gewandter Bankfachmann die Umwechslung der englischen Geldsorten in die landesübliche Währung.“ Mit den in seiner Großschlachterei erzeugten Produkten habe er den Markt beherrscht, mit Kapitänen von Handelsschiffen Verträge zur Lieferung des Proviants geschlossen, die Geldlieferungen für das englische Gouvernement in Cape Town besorgt.
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