„Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen“
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Ein Verfahren wegen Verleumdung wird eingestellt, weil sich Richter Dr. Bernd Lindner erfolgreich als Friedensstifter betätigt
Maulbronn. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Fällen sich der Maulbronner Richter Dr. Bernd Lindner befassen muss. Am Donnerstagvormittag beispielsweise mit einer Lügengeschichte, die in einem Mühlacker Geschäft verbreitet wurde.
Im Kern warf die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Pforzheim, Maria-Teresa Grillo-Bencivinni, der Ladeninhaberin vor, dass sie in ihrem Geschäft vor Kunden gesagt habe, dass ein Jäger mit seinem Gewehr auf sie geschossen habe. Verleumdungen wie diese, die im Strafgesetzbuch unter dem Paragrafen 187 in schönstem Juristendeutsch mit Blick auf ihre mögliche Wirkung genau definiert sind, gibt es tagtäglich viele, meist landen sie jedoch nicht vor Gericht. Nur aufgrund eines Strafantrags des Jägers war überhaupt eine öffentliche Gerichtsverhandlung mit vier Zeugen anberaumt worden. Der Mann sah sich durch die Verleumdung verständlicherweise in seiner Ehre verletzt. Er hatte der Frau zunächst über seinen Anwalt eine Unterlassungserklärung vorgelegt. Hätte sie das Papier unterschrieben, wäre der Fall erledigt gewesen. Doch die Beschuldigte, die zu diesem Zeitpunkt noch keinen Rechtsbeistand an ihrer Seite hatte, unterzeichnete nicht. Sie hätte es tun sollen, betonte der Anwalt der Angeklagten, Reinhold Berg, gleich zu Beginn der Gerichtsverhandlung. „Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen, das hätte man anders regeln können.“ Er erklärte auch, dass seine Mandantin im Laden lediglich gesagt habe, dass geschossen wurde – „aber nicht auf sie“. An die Adresse des Richters Dr. Bernd Lindner gerichtet, stellte Berg folgende Frage: „Muss man sich die Geschichte mit so vielen Zeugen antun?“
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