„Das Thema spricht Ängste an“
Archiv
Tauziehen um Hilfsfristen bei medizinischen Notfällen wird vom DRK-Kreisverband genau verfolgt
Enzkreis (md). Die Debatte um notärztliche Hilfsfristen flammt erneut auf. Die Opposition übt scharfe Kritik an Innenminister Reinhold Gall (SPD), der die Zeit bis zum Eintreffen eines Notarztes von 15 auf 18 Minuten erhöhen will. Setzt sich Gall mit seinen Vorstellungen durch, hat dies auch Auswirkungen auf den Rettungsdienst in Pforzheim und im Enzkreis.
Vom Notruf bis zur Versorgung des Patienten zählt jede Sekunde. Archivfoto: Sadler
Aktuell ist die Situation in der Region dadurch gekennzeichnet, dass die derzeit gültige Frist von 15 Minuten nur in etwa 92 Prozent der Notfälle im Jahr eingehalten wird. Damit liegen Pforzheim und der Enzkreis wie viele andere Regionen im roten Bereich, denn die Vorgabe gilt nur dann als erfüllt, wenn der Notarzt in mindestens 95 Prozent der Fälle innerhalb der Frist beim Patienten ankommt. Der stellvertretende Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Pforzheim-Enzkreis, Roland Peyer, erklärt, warum die Messlatte in der Region gerissen wird: „Seit 2014 wird die Hilfsfrist anders berechnet.“ Die Uhr ticke nicht mehr ab dem Zeitpunkt, zu dem die Notärzte ihren Einsatz beginnen. Seit 2014 zähle schon der Beginn des Notrufgesprächs. Vor dieser Änderung habe man die vorgegebene Hilfsfrist stets einhalten können. „Wir haben jährlich Werte erreicht, die über den vorgegebenen 95 Prozent lagen.“ Weil der Rettungsdienst die Anforderungen des Gesetzgebers auf dem Papier nicht mehr erfüllt, besteht Handlungsbedarf. „Ich muss mir überlegen, was wir ändern müssen, um die Norm zu erfüllen“, sagt Peyer, der im Bereichsausschuss sitzt, der den Rettungsdienst organisiert. Der 58-Jährige hat bereits ein Konzept für Neuerungen beim Rettungsdienst in der Schublade. Allerdings bleibt es wegen der Ankündigung des Innenministers dort vorerst liegen. Der Grund: Setzt sich Gall mit seinem Vorschlag einer 18-minütigen Hilfsfrist durch, muss Peyer gar nichts verändern. Insofern begrüße er den „pragmatischen Vorschlag“ des Ministers. „Bleibt es bei den 15 Minuten, müssten wir an ein bis zwei Standorten im Enzkreis eine DRK-Wache mit einem Arzt besetzen, der dort 24 Stunden in Bereitschaft auf einen Notfall wartet.“ Das wäre kostspielig und nicht einfach umzusetzen, da die Notärzte ja an die Kliniken in der Region angegliedert seien, wo sie während ihres Bereitschaftsdienstes immerhin im Verwaltungsbereich aushelfen könnten. „Es wäre schwierig, einen Arzt zu finden, der auf einer Wache eingesetzt werden kann. Die Kliniken haben ja jetzt schon Probleme, geeignetes Personal zu finden.“
Wir freuen uns, dass Sie sich für
einen Artikel interessieren.
Jetzt registrieren und weiterlesen.
- ➔ Alle Webseiteninhalte
-
➔ Inklusive aller
Artikel
- ➔ Jederzeit kündbar
Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen