Das Lied der Akzeptanz gesungen
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Woche der Brüderlichkeit im Kulturhaus Osterfeld eröffnet – Zum ersten Mal Hindus dabei
Pforzheim. Auch wenn die Töne zu Beginn den einen oder anderen Gast gedanklich auf einen Basar nach Istanbul befördert haben mag: Der Eindruck täuscht doppelt. Denn zum einen werden die anmutigen türkischen Töne auch bei Andachten eingesetzt, zum anderen gibt es an diesem Abend und überhaupt die ganze Woche über nichts zu verhandeln. Es geht nämlich bei der „Woche der Brüderlichkeit“ nicht darum, dass einer den anderen übers Ohr haut. Oder ihm zeigt, wo es langgeht. Vielmehr singen bei der Eröffnung am Sonntagabend im Malersaal des Kulturhauses christliche Vertreter, Muslime, Juden und zum ersten Mal auch offiziell die Hindus gemeinsam das Hohe Lied der Akzeptanz und bewegen sich damit getreu dem Veranstaltungsmotto „Im Gehen entsteht der Weg“.
Kadir Sevgi (Religionsbeauftragter DTIB Fatih Moschee), Rami Suliman (Vorsitzender Israelitische Kultusgemeinde), Rabbiner Michael Bar-Lev, Oberbürgermeister Gert Hager, Uma Maheswara Kurukal (Priester der Hindus), Dekanin Christiane Quincke, Dekan Bernhard Ihle und der ehemalige Schuldekan und Moderator des Abends Gerhard Heinzmann. Foto: Roth
Etwa 70 Gäste versammeln sich, um bei dem vom ehemaligen Schuldekan Gerhard Heinzmann moderierten Auftakt Einigkeit zu demonstrieren und gemeinsam Friedensgebete auf den Weg zu schicken. Viele Sätze gehören dazu, um überhaupt den Weg betreten zu können, allen voran: Oberbürgermeister Gert Hager, Klaus Müller (Dialogbeauftragter der evangelischen Landeskirche), Rabbiner Arie Folger und der islamische Theologe Selcuk Dogruer – Letztere halten Kurzreferate und treten in einen Trialog. Die Religion werde eher als Unruhestifter gesehen, bedauert Müller, der auch eher Stillstand als Bewegung sieht und andere Religionen als Geschwister betrachtet. „Da gibt es auch mal Reibereien, aber auch ein gemeinsames Band.“ Arie Folger denkt, dass man sich nicht als Außenstehender anmaßen kann, eine andere Religion zu kennen. Dass man aber hinschauen und fragen könne. Selcuk Dogruer denkt, dass man Bilder wie die der französischen Satirezeitung nur im Diskurs kritisieren, niemals Böses mit noch Böserem beantworten könne. Ihm geht Toleranz nicht weit genug. Es muss schon Akzeptanz sein. Und Oberbürgermeister Gert Hager, der schon am Vormittag eine Lanze für die Frauen gebrochen hat, beschwört noch einmal das Bild herauf, wie sich die Stadt am 70. Jahrestag der Zerstörung präsentiert hat: mit vielen Bürgern unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten auf den Straßen.
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