Corona-Isolation verschärft Familien-Konflikte
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Durch Pandemie verursachte oder verstärkte Auseinandersetzungen fordern die Berater für Eltern, Kinder und Jugendliche im Enzkreis.
Pforzheim/Enzkreis. Schulausfall, „Homeschooling“ und Homeoffice der Eltern: Mit diesen Folgen der Coronapandemie kamen viele ohnehin bereits durch psychische Krankheiten eines Elternteils oder Gewalterfahrungen gebeutelte Familien besonders schwer zurecht. Dies machte Thomas Gustorff jetzt bei einem Pressegespräch deutlich, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Pforzheim. Eskaliert sei allerdings nicht die körperliche Gewalt, sondern eher hätten sich ohnehin schwelende Konflikte verschärft, zum Beispiel, wenn die Betreuung von Kindern nach einer Trennung strittig sei zwischen den Elternteilen.
Zudem sei die Kindergruppenarbeit der Beratungsstelle durch die Corona-Pandemie komplett lahmgelegt gewesen. Dies sei gravierend, denn „Kinder aus belasteten Familien profitieren von Angeboten außerhalb der Familie besonders“, so der Psychologe. Als Familien oft auch werktags die meiste Zeit miteinander zu Hause verbringen mussten, habe er viele Kinder als sehr viel nervöser als sonst erlebt. Als einen Grund sieht Gustorff „viel zu viel Handy- und Tabletnutzung“ bei fehlenden Freizeit- und Sportangeboten. Katja Kreeb, Dezernentin für Familie, Bildung und Soziales des Enzkreises, merkte jedoch an, dass seit Ausbruch der Coronapandemie die Fälle von Kindeswohlgefährdung nicht massiv gestiegen seien. „Der Corona-Supergau blieb aus“, betonte sie. In einem Rückblick auf die Anfangsjahre stellte Thomas Gustorff fest, dass die Nachfrage in den Beratungsstellen seit der Gründung deutlich gestiegen sei: 1976 verzeichneten beide Beratungsstellen zusammen gerade 243 Fälle, in denen Familien, Eltern oder Kinder Rat suchten. 2005 waren es allein für Pforzheim und den westlichen Enzkreis bereits 650, 2019 dann 861 Fälle. Bis 1995 gab es laut Gustorff auch Wartezeiten bis zu rund zwölf Wochen. Ab da habe der Bedarf zeitnah gedeckt werden können. Statistisch sind heute rund 40 Prozent der Beratungen auf „Belastungen durch familiäre und pubertäre Konflikte“ zurückzuführen, insbesondere nach Trennung und Scheidung. Ein weiteres Drittel der Fälle betreffen „Unsicherheiten in der Erziehung“ und Entwicklungsauffälligkeiten einschließlich seelischer Probleme.
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