Computer-Junkies und die reale Welt

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Diplom-Psychologe Dr. Thomas Mößle über das Medienverhalten der „Generation App“

Pforzheim/Enzkreis. Spätestens seit dem Amoklauf von Winnenden sind Ego-Shooter-Computerspiele wie Counterstrike in der öffentlichen Diskussion. Ob durch Smartphones, Tablets oder PCs – der Einfluss digitaler Medien auf Jugendliche ist enorm hoch. Kein Wunder, schließlich hängen die „Digital Natives“ laut aktuellen Studien rund sieben Stunden pro Tag vor Bildschirmen. Auch beim Fachtag für Jugendarbeit im Landratsamt drehte sich alles um die „Generation App“. Dr. Thomas Mößle, stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), erforscht unter anderem das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Seinem Fachvortrag lauschten rund 80 Zuhörer, die vorrangig aus den Bereichen Jugend- und Sozialarbeit sowie der Medienbranche stammten.

Dr. Thomas Mößle ist stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Foto: Roth

Dr. Thomas Mößle ist stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Foto: Roth

Wenn man einer Aussage der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von 2006 aus der Fernsehsendung „Berlin Mitte“ Glauben schenken mag, macht Fernsehen „dick, dumm, traurig und gewalttätig“. Diese Theorie hat sich bei Eltern bisher jedoch nur bedingt durchgesetzt: Laut Mößle besitzen rund 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen Fernseher. Die Anzahl der Spielkonsolen in den Kinderzimmern hat sich seit 2008 verdoppelt. Während für heranwachsende Frauen bei der digitalen Mediennutzung die sozialen Netzwerke wie Facebook an vorderster Stelle stehen, widmen viele Jungen ihre Freizeit Computerspielen. „Mehr als ein Drittel beschäftigt sich mit Spielen, die für ihr Alter nicht geeignet sind“, moniert Mößle. Für seine Zuhörer hat der Diplom-Psychologe einige gewaltverherrlichende Beispiele parat. So geht während einer Sequenz aus dem Videospiel „GTA: San Andreas“ ein Raunen durch den Saal, als der Akteur mit einem Auto mutwillig mehrere Passanten auf einem Gehweg überfährt. Spritzendes Blut ist nahezu in jedem Ausschnitt zu beobachten. Auch vor bereits auf dem Boden Liegenden wird nicht haltgemacht.

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