Basketball geht auch ohne Schiedsrichter
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Vaihingen. Wo normalerweise am späten Abend die Lichter ausgehen, zeigten fast 80 Jugendliche auch deutlich nach Mitternacht keine Spur von Müdigkeit. Im Drei-gegen-Drei mussten sich die U-20- und U-25-Mannschaften mit selbsterfundenen Teamnamen wie „Boxershorts“ oder „Ostmonsterblock“ unter dem Basketballkorb behaupten. Der hohe Zuspruch überraschte selbst die Veranstalter. Ingeborg Welz, Leiterin der städtischen Jugendarbeit Vaihingen, sowie auch Immanuel Klenk, Kassierer des BC Vaihingen, hatten nicht mit so großem Interesse bei der ersten Auflage des Turniers gerechnet.Idee entstand in den sozialen Brennpunkten US-amerikanischer GroßstädteBSG-Center Clemens Beisel, der als Sozialarbeiter bei der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit Pforzheim schon mehrere Mitternachtsbasketball-Events organisiert hatte, holte zur Unterstützung den Landessportverband (LSV) Baden-Württemberg mit ins Boot. Dieser hat sich mit dem Programm „Integration durch Sport“ zur Aufgabe gemacht, Jugendliche mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft und in den Sport zu integrieren. „Das Ziel ist, dass das Mitternachts-Basketball keine einmalige Sache wird, sondern regelmäßig stattfindet, um die Integration zu fördern“, berichtete Torsten Schnittker, Leiter des Programms.
„Einige gehen etwas härter zur Sache, aber im Großen und Ganzen ist es okay.“ – Strittige Szenen klären die Jugendlichen im gegenseitigen Einvernehmen. Foto: Lämmle
Vor knapp 30 Jahren kam das sogenannte Midnight Bounce in sozialen Brennpunkten in Großstädten der USA auf. In den vergangenen zehn Jahren ist das Freizeitturnier-Konzept auch in den größeren Städten Baden-Württembergs angekommen. Nach dem Besuch bei einem Midnight Bounce in Pforzheim war Immanuel Klenk, Kassier des BC Vaihingen, von der Idee überzeugt: „Das Mitternachts-Basketball holt schwer erziehbare Jugendliche von der Straße weg. Sie treiben echten Sport, anstatt Blödsinn zu machen oder in der Disco herumzuhocken. Und vielleicht können wir auch ein paar Leute für den Sport und unseren Verein gewinnen.“Basketball-Nachwuchs des TV Mühlacker bestreitet sein erstes TurnierFür die Sozialarbeiter stand an diesem Abend mehr die Kommunikation unter den Jugendlichen im Vordergrund. „Es soll ein Ort der Begegnung sein“, sagte Ingeborg Welz, Leiterin der städtischen Jugendarbeit Vaihingen. „Wie sie sich verhalten, ist spannend und wichtig zu sehen.“ Da kein Schiedsrichter mit auf dem Platz war, standen die Mädchen und Jungen selbst in der Verantwortung. „Dadurch lernen sie, sich zu arrangieren“, erklärte Klenk. „Wenn ein Spieler meint, gefoult worden zu sein, hebt er kurz die Hand. Dann wird das Spiel unterbrochen und die Spieler müssen sich untereinander einigen.“ Weil auch einige Nicht-Basketballer mit von der Partie waren, drückten die erfahreneren Basketballer hier und da ein Auge zu. Auch ohne einen Unparteiischen blieb der Wettbewerb, bei dem es Sachpreise wie Basketbälle und Trikots zu gewinnen gab, fair und sportlich. „Einige gehen zwar etwas härter zur Sache. Aber im Großen und Ganzen ist es okay“, berichtete BSG-Jugendspieler Tobias Blaschke.
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