Ausstellung thematisiert Kindesmissbrauch
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Schautafeln werden noch bis Ende November im Landratsamt gezeigt – Schwieriges Thema wird kindgerecht aufgearbeitet
Pforzheim/Enzkreis. Eine aktuelle Ausstellung im Landratsamt beschäftigt sich noch bis Ende November mit dem Thema „Kindesmissbrauch“. Die kindgerechte Darstellung auf den verschiedenen Schautafeln soll besonders Kinder im Grundschulalter ansprechen. „Das ist gut so, beginnt doch der Missbrauch in den meisten Fällen zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr. Kaum etwas kann das Leben und die Entwicklung eines Menschen so schwer belasten wie sexueller Missbrauch in der Kindheit“, erklärte Landrat Karl Röckinger bei der Ausstellungseröffnung. Erschütternd sei, dass oft vertraute Personen diesen Missbrauch begingen, die Kinder sich dann schämten, darüber zu sprechen. „Unser Ziel muss es sein, Kinder stark zu machen, ihnen zu sagen, dass sie das Recht haben, sich zu wehren.“ Besonders unterstrich der Landrat die Arbeit der Lilith-Beratungstelle, die sich bereits seit 20 Jahren um Missbrauchsopfer jeden Alters kümmere, Aufklärung und Beratung leiste, Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräfte in ein Präventivprogramm einbinde.
Angelika Blonski, die Leiterin von „Lilith“, betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. „Aber noch ist nicht genug getan. Die Arbeit hört erst auf, wenn es keinen sexuellen Missbrauch mehr gibt – eine Hoffnung, die wohl utopisch ist“, erklärte sie. „Kinder müssen so gestärkt werden, dass sie lernen, ihre Scham zu überwinden und sich Erwachsenen anzuvertrauen.“ Geheimnisse hätten bei Kindern immer einen großen Stellenwert. Verführer würden ihnen meistens einreden, das Geschehene sei ein Geheimnis nur zwischen ihnen beiden. „Kindern muss eindringlich gesagt werden, dass es kein Petzen ist, wenn sie sich nicht an eine solche Forderung, die bis zur Bedrohung des Lebens gehen kann, halten“, sagte Blonski. Pro Jahr würden ihr rund 200 Fälle an Übergriffen aller Art gemeldet, davon etwa 100 der Kategorie sexueller Missbrauch. Wichtig sei, dass Eltern, Erwachsene im Umfeld von Kindern, egal ob in Kindergärten oder Schulen, beobachten und hinhören lernen. Oft könne ein Kind, das sich jemandem anvertrauen möchte, genau definieren, was an Furchtbarem geschehen sei. „Fühlt es sich nicht verstanden, zieht es sich in seinem Kummer zurück und leidet still, mit allen Folgen einer gestörten psychischen Entwicklung.“
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