Auf Wiedersehen, Onkel!

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Irina Slepaya begibt sich in Mühlacker und Ötisheim auf die Suche nach Spuren des NS-Opfers Theodor Slepoj

„Lerne Deutsch, Irina. Irgendwann wirst du nach Deutschland fahren und meinen Bruder Tewje finden.“ Das kleine Mädchen weiß nicht, wer Tewje ist noch was es mit ihm auf sich hat. Und doch bleibt der Auftrag des Opas präsent. Ein knappes halbes Jahrhundert später endet die Spurensuche am Stolperstein des Theodor Slepoj in Mühlacker.

Auf Wiedersehen, Onkel!

An der Steigstraße in Mühlacker ist der Stolperstein für Theodor Slepoj verlegt worden. Dessen Verwandte Irina Slepaya, verheiratete Commer, hält in Erinnerung an den Fabrikanten inne. Dass Slepoj auch heute nicht vergessen ist, erläutert beim Gespräch im Stadtarchiv (kleines Bild Mitte) Christiane Bastian-Engelbert, die dem Gast unter anderem Material aus Auschwitz übergibt. Der Informationsaustausch ist ein gegenseitiger: Beim Treffen mit dem Mühlacker Oberbürgermeister Frank Schneider (Bild rechts unten) präsentiert Irina Slepaya unter anderem ein Foto, das ihre Großmutter mütterlicherseits und deren Geschwister zeigt. Auch dieser Zweig der Familie hatte Kontakte in den Westen – mit Folgen: Bruder Josef, der in Deutschland studiert und die Menschen dort schätzen gelernt hatte, weigerte sich beim Einmarsch der deutschen Armee, Odessa zu verlassen. Er vertraute darauf, dass die Angehörigen des Kulturvolks, das er zu kennen glaubte, den Juden nichts antun würden. Erst im letzten Moment wurde er von seinem körperlich überlegenen Schwager gewaltsam abtransportiert und so gerettet. Viele andere Familienangehörige, die nicht fliehen konnten oder wollten, wurden in Babyn Jar ermordet.

Mühlacker/Ötisheim. Vorsichtig, mit einer gewissen Ehrfurcht und dennoch mit dem notwendigen Druck wird der Putzlappen über die matt gewordene Oberfläche des Stolpersteins an der Steigstraße geführt. Bald lässt sich der messingfarbene Urzustand wieder erahnen, und deutlicher als zuvor tritt die eingravierte Schrift zutage: Hier arbeitete Theodor Slepoj. Jahrgang 1889. Deportiert 17.06.1943. Auschwitz. Ermordet.

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