Arbeiter in die erste Reihe setzen

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DGB-Kreisgeschäftsstelle beteiligt sich mit kritischer Ausstellung am Goldstadtjubiläum

Pforzheim. „(k)ein Grund zum Feiern“ heißt die Ausstellung des DGB-Kreisverband Pforzheim/Enzkreis – die ab dem 1.Mai und bis zum 28. Juli an neun signifikanten Orten der Goldstadt in Gestalt von Tafeln im öffentlichen Raum installiert sein wird. Wie die Klammer im Titel andeutet, wollen sich die Gewerkschafter nicht von der Feier ausschließen, mit der Pforzheim sein 250-jähriges Bestehen als „Goldstadt“ begeht. Nur liegt es in der Natur der Sache, dass der DGB nicht „die, die immer in der ersten Reihe sitzen“ (Jürgen Schroth, Rechercheteam) dort platzieren möchte, sondern die Menschen, „die in der Branche arbeiten“. „Eine kritische Begleitung findet nicht statt“, ist das Fazit von Susanne Nittel aus der DGB-Geschäftsstelle Pforzheim im Jubiläumsjahr. „Das war schon 1967 so. Im Anzug und mit Krawatte wurde gefeiert, und die Arbeiter haben drei Wochen später eine Butterbrezel bekommen“, fügt Gerhard Brändle aus der Recherchegruppe hinzu.

Arbeiter in die erste Reihe setzen

Einen kritischen Kontrapunkt im Jubiläumsjahr setzen (hinten v.li.): Jürgen Schroth, Liane Papaioannou (Erste Bevollmächtigte IG Metall), Brigitte Brändle, Wolf-Dietrich Glaser (DGB-Vorsitzender), Franz Herkens (stellvertretender DGB-Vorsitzender) und (vorne v.li.) Holger Egger (ver.di-Bezirksvorstandsvorsitzender), Frank Neubert, Gerhard Brändle und Susanne Nittel.Foto: Roth

Die kritische Lücke will der Kreisverband mit der Ausstellung füllen und hat sich dazu entschlossen, die Perspektive aus Sicht der Arbeitnehmer einzunehmen. Dabei ist der Blick auf den neun Tafeln nicht nur rückwärtsgewandt, sondern hat immer auch aktuelle Bezüge und als „Störer“ (so Frank Neubert) gelbe Punkte mit den heutigen Forderungen. Denn da gäbe es durchaus aktuelle Bezüge, so Gerhard Brändle. Zum Beispiel im gelben Störer auf der Tafel „Mindestlohn“ schrill manifestiert: „Existenzsichernde Löhne“ und „Ausbeutung bekämpfen“ steht da mit Ausrufezeichen. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) wird die Tafel als Kontrapunkt gesetzt, die mit Unternehmern in der Nazi-Zeit „Barackengemeinschaften“ gründete – auch die Stadt wurde Mitglied. 1942 wurde ein Lager im Brötzinger Tal errichtet; mehr als 4000 Menschen aus Osteuropa hätten dort unter völliger Rechtlosigkeit in der auf Rüstung umgestellten Industrie Zwangsarbeit leisten müssen. Und heute? Da würden Unternehmer durch Leiharbeit und Missbrauch von Werkverträgen, „Praktika ohne Ende“, Zeitverträge und Beschäftigung von Scheinselbstständigen Sozial-Standards und Tarifbindungen unterlaufen.

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