Angebot mit Seltenheitswert soll starkmachen
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Bei „Vater bleibt Vater“ können sich alleinerziehende oder getrennt lebende Väter nicht nur über ihre Probleme austauschen
Pforzheim/Enzkreis. In Pforzheim gibt es ein Angebot, das sich an alleinerziehende Väter und an Männer richtet, die nach einer Trennung wenig oder kaum Kontakt zu ihren Kindern haben. Seit etwa zwei Jahren gibt es die Gruppe „Vater bleibt Vater“, die sich immer am letzten Donnerstag eines Monats um 19.30 Uhr an der Luisenstraße 46 in Pforzheim trifft.
Getrennt lebende oder alleinerziehende Väter stehen mit ihren Sorgen und Nöten oft allein. Das muss nicht sein. Foto: Fotolia/Maria Sbytova
Pastoralreferent Markus Schütz von der katholischen Kirche in Pforzheim hat die „regional einmalige“ Gruppe vor etwa zwei Jahren ins Leben gerufen, weil es weder in Pforzheim noch im Enzkreis ein offenes und niederschwelliges Angebot für getrennt lebende oder alleinerziehende Väter gegeben habe. Weil er das Projekt auf ökumenische Füße stellen wollte, suchte er Kontakt zum evangelischen Pfarrer Hartmut Friedrich, der in das Projekt mit einstieg. „Alleinerziehende Mütter stehen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, alleinerziehende oder getrennt lebende Väter weniger, dabei gibt es in dieser Gruppe ganz eigene Problematiken“, sagt Friedrich. Das Angebot sei überkonfessionell für alle Väter offen, niemand müsse kommen und – das ist Friedrich sehr wichtig – richte sich keinesfalls gegen die Mütter. „Wir sind auch keine Rechtsberatung“, betont der Pfarrer mehrfach. Ganz bewusst grenzt sich die Gruppe etwa vom Verein Väteraufbruch ab, der politische Ziele verfolge. Schütz erklärt, dass man den Vätern in einem geschützten Raum einfach die Möglichkeit bieten wolle, sich mit anderen Betroffenen in lockerer Atmosphäre – beispielsweise am Tischkicker – auszutauschen und offen über die eigene, oft schwierige Situation zu sprechen. „Wir wollen die Väter auf ihrem Weg unterstützen, und sie dürfen bei uns ihre Gefühle zeigen“, sagt Schütz. An der Luisenstraße 46 werde geweint, gelacht, und „man darf hier auch seine Wut rauslassen“. Eine Jammergruppe wolle man auf keinen Fall sein. Friedrich ergänzt: „Wir wollen die Männer als Väter starkmachen.“ Zur Stammklientel der Gruppe gehören zwei bis drei Männer, insgesamt wird das Angebot laut Schütz von bis zu 20 Vätern in Anspruch genommen. Beim bloßen Austausch bleibt es bei „Vater bleibt Vater“ jedoch nicht. Die Männer, die Teil der Gruppe sind, stehen sich mit Rat und Tat zur Seite, packen beispielsweise auch beim Umzug eines Vaters mit an, der nach langer Suche eine Bleibe findet, wie Schütz berichtet. „Als alleinerziehender Vater ist es gar nicht so leicht, eine Wohnung zu finden“, betont Friedrich, „da wird man häufig schräg angeguckt.“ Auch wenn mittlerweile mehr als jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird und häufig Kinder mit im Spiel sind, sind alleinerziehende Väter eben immer noch die Ausnahme. Dass die Gruppentreffen etwas bewirken, schildert Schütz in einem Fall, bei dem das Netzwerk mit dazu beitrug, dass ein Mann seine Rolle als Vater neu definieren konnte. „Wir hatten hier einen Vater, der seine drei Kinder nur ab und zu sah und damit unglücklich war. Als er kam, war er kraftlos, fast depressiv und hatte resigniert. Wir haben ihn bestärkt, und inzwischen lebt von seinen drei Kindern eins bei ihm.“ Der Mann sei nun glücklich, habe als alleinerziehender Vater jedoch keine Zeit mehr, die Gruppentreffen zu besuchen, merkt Schütz mit einem Schmunzeln an, der allgemein den Eindruck hat, dass viele Väter gerne mehr Verantwortung übernehmen wollen, es aus unterschiedlichen Gründen aber nicht können – „auch deshalb, weil das Recht des Kindes auf seinen Vater oft noch infrage gestellt wird“, stellt Friedrich fest. Die Verantwortlichen sind nicht naiv und betonen, dass ihnen klar sei, dass sie nur die Versionen der getrennt lebenden Väter kennen würden. „Wir versuchen, die Frage zu beantworten, wie ein sinnvoller Kontakt zu den Kindern aussehen kann, gerade vor dem Hintergrund häufig schwieriger Beziehungen zur Mutter – da herrscht oft Kleinkrieg.“ Weil die Gruppe „Vater bleibt Vater“ überkonfessionell ausgerichtet ist, wollte Schütz, dass die Treffen in neutralen, nichtkirchlichen Räumen stattfinden. Im Kinderschutzbund fand er den passenden Kooperationspartner. „Wir sind neutral“, betont Doris Möller-Espe, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Pforzheim Enzkreis. „Und wir arbeiten viel mit Vätern zusammen, die in Trennung leben“, spricht sie von Synergieeffekten, die es durch die Kooperation gebe. Oft wüssten die Väter nicht, dass es vielfältige Hilfsangebote für sie gebe. Die Vätergruppe sei wichtig, unterstreicht Möller-Espe und fügt hinzu: „Die Lobby für die Männer ist etwas ganz Besonderes“.
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