Acht Punkte gegen Gewalt
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Nach der Eskalation eines Familienstreits holen Polizei und Stadt den Zentralrat der Yeziden ins Boot
Pforzheim. Nachdem die Gewalt zwischen zwei yezidischen Familien irakischer Herkunft in Pforzheim zuletzt auf offener Straße eskaliert war, haben Stadt und Polizei jetzt reagiert. In Abstimmung mit dem Zentralrat der Yeziden in Deutschland stellten der Polizeichef Burkhard Metzger und Bürgermeisterin Monika Müller am Dienstag das „Pforzheimer 8-Punkte-Programm für die irakisch-yezidische Bevölkerung“ vor. Ein Bündel von Präventionsmaßnahmen soll Gewalt „zwischen irakischen Mitbürgern“ künftig eindämmen. Die Beteiligten der Pressekonferenz wussten, dass der Medienrummel um die Auseinandersetzung der zerstrittenen Familien kein gutes Licht auf die rund 1800 in Pforzheim lebenden Yeziden wirft. Vor diesem Hintergrund betonte der Leiter der Polizeidirektion Metzger, dass der irakisch-stämmige Teil der Bevölkerung der Stadt in Sachen Kriminalität nicht überdurchschnittlich auffällig sei. „Man sollte hier nichts verallgemeinern.“ Doch weil die Streitigkeiten zuletzt „ausgeufert“ seien und sich die mutmaßlichen Täter bei den Vernehmungen durch die Polizei wenig kooperativ gezeigt hätten, sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die das 8-Punkte-Programm erarbeitet habe.
Bürgermeisterin Monika Müller, Polizeichef Burkhard Metzger und der Vorsitzende des Zentralrats der Yeziden, Telim Tolan, stellen ein 8-Punkte-Programm gegen Gewalt vor.
Das Papier wird von Telim Tolan, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Yeziden in Deutschland, ausdrücklich begrüßt. Beim Zentralrat wird eine Ombudsstelle eingerichtet, die im Falle weiterer Konflikte eine schlichtende Funktion wahrnehmen soll. Der Pforzheimer Verein der Yeziden will zudem dafür sorgen, dass sich aus seinen Reihen Streitschlichter ausbilden lassen. Die Pforzheimer Bürgermeisterin Müller machte deutlich, dass man zum einen auf integrative Maßnahmen setze, gleichzeitig jedoch auch auf Sanktionen wie beispielsweise den Entzug der Fahrerlaubnis als Warnschuss. Einige der mutmaßlichen Täter, die in Pforzheim unter anderem mit Eisenstangen aufeinander losgegangen waren und sich gegenseitig zum Teil schwer verletzt hatten, werden sich laut Metzger vor Gericht bald wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. Tolan dazu: Die Gewalt, mit der die yezidischen Familien für Schlagzeilen gesorgt hatten, sei in keiner Weise zu rechtfertigen. „Auf Gewalt gibt es nur eine Antwort – die strafrechtliche Verfolgung.“ Dass Polizei und Stadt den Zentralrat hinzugezogen hätten, sei der richtige Schritt gewesen. Mit ihrem Wissen könnten die Vertreter des Rats die Umsetzung des 8-Punkte-Programms flankierend unterstützen. Auch was den konkreten Konflikt der beiden Clans betrifft, ist Tolan zuversichtlich, dass sich die Gewaltspirale stoppen lässt. „Die Bereitschaft bei den Familien ist da.“ Demnächst sei ein Treffen der beiden Parteien in Oldenburg, dem Sitz des Zentralrats, anberaumt.
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