Wegen eines Partyschiffs: Schweizer fühlen sich schikaniert
Baden-Württemberg
Seit 170 Jahren kooperieren die Schifffahrtsgesellschaften aus den Anrainerstaaten am Bodensee miteinander. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Konfrontation.
Jahrelang ist die Euregia zwischen Romanshorn und Friedrichshafen (Bild) gependelt.
(Foto: dpa)
Von Eberhard Wein
Wenn nicht noch Vernunft einkehrt, dann droht auf dem Bodensee die erste Seeschlacht seit 600 Jahren. Doch die Schweizer Seite ist wild entschlossen. Man lasse sich nicht schikanieren, zitiert die „Thurgauer Zeitung“ den Chef der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS), Benno Gmür. Konstanz hat er als Ziel aus den Fahrplänen seiner Kursschiffe gestrichen. Zu viele Fahrgäste mit Tickets für deutsche Schiffe seien zugestiegen, für die die Konstanzer Bodensee Schifffahrtsbetriebe (BSB) keinen Ausgleich zahlen wollten. Schon deshalb gehen die Wogen hoch. Doch jetzt eskaliert der Streit mit einer handfesten Drohung. Er werde die Euregia nach Friedrichshafen schicken, sagt Gmür. „Dann sehen wir ja, was passiert.“
Die Euregia ist ein ausrangiertes Fährschiff. 28 Jahre lang pendelte es zwischen Friedrichshafen und Romanshorn und war sogar ein ausgesprochenes Zeichen der gutnachbarlichen Beziehungen auf dem internationalen Gewässer. Je zur Hälfte hatten die SBS und die BSB die Fähre gekauft. 2024 wurde sie außer Dienst gestellt und ging für einen symbolischen Euro komplett in den Besitz der Schweizer über – mit der Maßgabe, fortan nur noch als Restaurant Verwendung zu finden. Jetzt aber soll die Euregia von Romanshorn aus wieder in See stechen. Als Discoschiff wurde sie gechartert, Ziel ist wieder Friedrichshafen, wo die Fähre Gäste aufnehmen und später wieder abliefern soll. Für die BSB ist das glatter Vertragsbruch.„Partyfahrten sind keine Liegendnutzung“, sagt der Geschäftsführer Norbert Reuter.
Die Schweizer halten ihr Vorhaben hingegen für vertragskonform und planen 15 Fahrten mit je 600 Gästen. Die Tickets für die erste Tour in drei Wochen sind schon verkauft. Gmür will feiern lassen: „Das ist doch ein Kindergarten mit den Deutschen.“