„Es kommt darauf an, wie viel Du einstecken kannst“ – Was uns Rocky Balboa lehrt
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Viele junge Erwachsene fühlen sich von der Gegenwart überwältigt – und das in einer Phase, in der wichtige Entscheidungen anstehen. Psychologen erklären, woher das Gefühl kommt, was wirklich hilft, wieso Resilienz dabei so wichtig ist. Und was ein berühmtes Zitat von Sylvester Stallone alias „Rocky“ damit zu tun hat.
Eine der berühmtesten Motivationsreden der Filmgeschichte findet sich in dem Filmdrama „Rocky Balboa“ (Szene mit Sylvester Stallone, re., als Rocky Balboa und Antonio Tarver als Mason „The Line“ Dixon, 2006).
(Foto: Imago/Cinema Publishers Collection)
Von Sabine Meuter (dpa)/Markus Brauer
Dauerkrisen, ein durch KI - Künstliche Intelligenz - zunehmend erschwerter Berufseinstieg, Wohnungsnot: Viele junge Menschen blicken sorgenvoll in die Zukunft. Das zeigt sich zum Beispiel in der aktuellen Studie „Jugend in Deutschland 2026“, für die rund 2000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren repräsentativ befragt wurden.
Stress, Erschöpfung, Perspektivlosigkeit
„Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“, sagt Studienleiter Simon Schnetzer von der Universität Potsdam.
49 Prozent der Befragten berichten demnach von Stress, 36 Prozent von Erschöpfung und 29 Prozent geben an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Gerade in einer Phase, in der sich wichtige Weichen fürs Leben stellen – Berufseinstieg, Partnerschaft, Wohnen –, trifft das besonders hart. Welche Strategien helfen gegen Zukunftsängste? Experten ordnen die Problematik ein und zeigen Lösungswege auf:
Warum Zukunftsängste so verbreitet sind
„Globale Krisen, Klimawandel oder wirtschaftliche Unsicherheit wirken wie permanenter Stress im Hintergrund, zusätzlich zu dem aktuellen Stress im Alltag“, erklärt der Psychologe und Coach René Träder. Zukunftsängste seien daher auch kein Zeichen von Schwäche. Vielmehr seien sie angesichts der aktuellen Lage nachvollziehbar.
Eine Rolle spiele dabei, dass ein Einzelner auf Kriege und Krisen in aller Regel keinen oder nur geringen Einfluss hat. „Das erzeugt ein Grundgefühl von Anspannung“, betont die Psychologin Pauline Stockmann. Hinzu kommt oft ein Gefühl von Unkontrollierbarkeit. Denn eine einzelne Person hat es nicht in der Hand, ob und wann etwa Krisen enden.
Was Zukunftsängste noch verstärkt
Hinzu kommt: „Übergangsphasen im jungen Erwachsenenalter sind immer sensibel, egal, ob es einen allgemeinen Krisenmodus gibt oder nicht“, erläutert Stockmann.
Häufig ist die Phase geprägt von Fragen und Entscheidungen mit ungewissem Ausgang: „Finde ich einen adäquaten Job in meiner Heimatstadt?“, „Werden mein Partner und ich gemeinsam genug Geld verdienen, um uns und unseren Kindern ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen?“ oder „Werde ich im Alter arm sein?“
Übergänge im Leben schaffen Unsicherheit
Auch Übergänge vom Studium in den Job zum Beispiel können von Unsicherheit geprägt sein, „weil man etwas Gewohntes aufgibt und stattdessen etwas macht, das man nicht kennt“, konstatiert Stockmann.
Müssen zentrale Entscheidungen im eigenen Leben bei weltpolitischer und wirtschaftlicher Instabilität getroffen werden, kann das der Psychologin zufolge ohnehin vorhandene Zukunftsängste verstärken.
Nicht zuletzt spielen soziale Medien eine Rolle. „Soziale Medien und ständige Nachrichten beeinflussen das Gefühl von Unsicherheit maßgeblich“, sagt Stockmann. Oft gehen eine gesunde Distanz und das Gefühl dafür verloren, was eigentlich normal und erreichbar ist.Leben
Viele würden zudem eher auf Beiträge klicken, die Negatives erzählen, erklärt Träder. Das könne unter dem Strich zu einer Verzerrung der Realität und somit zu innerer Unsicherheit führen.
Resilienz: Was sie bedeutet und wie man sie stärkt
Es gibt Mittel, um der eigenen Unsicherheit zu begegnen. Eine wichtige Rolle spielt Resilienz. Der Begriff geht auf das lateinische Verb „resilire“ zurück, was übersetzt so viel wie „abprallen“ oder „von einer Tätigkeit abspringen“ bedeutet.
Der Begriff beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, Krisen, Stress und Rückschläge zu bewältigen, ohne langfristig Schaden zu nehmen. Resilienz hilft dabei, sich nach schwierigen Erfahrungen wieder zu erholen und innerlich stabil zu bleiben. Es ist die psychische Widerstandskraft – also die Fähigkeit, sich an belastende Situationen anzupassen und dennoch gesund zu bleiben.
Was wir Rocky Balboa und Batman lernen können
- Eine zeitlose Metapher für Resilienz – also die Fähigkeit, aus Rückschlägen, Fehlern und Niederlagen zu lernen und gestärkt wieder aufzustehen – findet sich in Christopher Nolans „Batman“-Trilogie. Ursprünglich stammt die Sentenz von Thomas Wayne, dem Vater von Bruce Wayne alias Batmann (Christian Bale) aus „Batman Begins“ (2005) als er den jungen, gestürzten Bruce tröstet. In „The Dark Knight Rises“ (2012) wiederholt Butler Alfred Pennyworth (Michale Caine) diese Worte, um den physisch und psychisch gebrochenen Bruce Wayne daran zu erinnern, niemals aufzugeben.
„Warum fallen wir, Bruce? Damit wir lernen, uns wieder aufzurappeln.“
- Eine der berühmtesten Motivationsreden der Filmgeschichte findet sich in dem Filmdrama „Rocky Balboa“ (Rocky 6“) aus dem Jahr 2006. Darin richtet der Ex-Box-Champion (Sylvester Stallone) eine ikonische Motivationsrede an seinen Sohn Robert Balboa, jr. (Milo Ventimiglia). Der soll Rückschläge im Leben überstehen und sich davon nicht unterkriegen lassen, denn nur gewinnt man Stärke.
„Die Welt besteht nicht nur aus Sonnenschein und Regenbogen. Sie ist oft ein düsterer und unbarmherziger Ort. Und wenn du nicht aufpasst, bringt sie dich in die Knie und lässt dich nicht mehr aufstehen – wenn du es zulässt. Du und ich – und auch sonst keiner – kann so hart zuschlagen wie das Leben! Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann. Es zählt bloß, wie viele Schläge man einstecken kann und ob man trotzdem weitermacht; wie viel man einstecken kann und trotzdem weiterkämpft! Nur so gewinnt man!“
Auf mögliche Lösungen statt auf Probleme konzentrieren
„Resilienz hilft dabei, trotz Ängsten optimistisch zu sein und Vertrauen darin zu haben, dass sich die Dinge gut entwickeln“, erklärt Stockmann. Und: Resilienz lässt sich trainieren. „Dazu gehört, sich auf mögliche Lösungen statt auf Probleme zu konzentrieren“, so Träder.
Auch soziale Kontakte sind wichtig, sie bieten Halt in Krisenzeiten. Daneben ist Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber entscheidend: Darauf zu achten, was einem guttut und was nicht, trägt dazu bei, die eigene Resilienz zu stärken.
Themen auf den Grund gehen
Nicht zuletzt sollte man den eigenen Umgang mit Nachrichten und sozialen Medien reflektieren. Wer Nachrichten konsumiert, sollte nicht nur von Headline zu Headline springen. Besser: Sich tiefergehend mit genau den Themen beschäftigen, die viele Sorgen auslösen
„Das bedeutet, längere Artikel lesen, die möglichst unterschiedliche Perspektiven abbilden und allgemein verschiedene Experten-Meinungen miteinander vergleichen“, rät Träder.
Je mehr Informationen man hat, desto eher kann man eine fundierte Meinung entwickeln. Auch das stärke die Resilienz. „Alles, was diffus und chaotisch ist, hat ein höheres Verunsicherungspotenzial und kann leichter zu Zukunftsängsten führen.“
Kontrolle, Einfluss, Akzeptanz
Der Psychologe empfiehlt daneben folgende Überlegungen, um einen besseren Umgang mit Zukunftsängsten zu finden:
- Was kann ich kontrollieren? „Das kann etwa der Medienkonsum sein, den man einschränkt“, so Träder. Zum Beispiel, indem man sich pro Tag ein Zeitfenster von 15 Minuten gibt, in dem man Nachrichten konsumiert.
- Was kann ich beeinflussen? Beispielsweise bei einer Demonstration mitmachen und dort seinen Protest zum Ausdruck bringen.
- Was muss ich akzeptieren? Man muss hinnehmen, dass man auf manche Dinge einfach keinen Einfluss hat. Eine gewisse Ungewissheit ist Teil des Lebens.
Mit anderen reden hilft
Darüber hinaus gibt es Strategien, die helfen, Zukunftsängsten langfristig entgegenzuwirken. Ein wichtiger Ansatz ist der Austausch: Wer mit anderen über belastende Nachrichten oder eigene Ängste spricht, gewinnt Abstand.
Hilfreich kann auch sein, sich gedanklich auf Unwägbarkeiten vorzubereiten. Stockmann empfiehlt, einen Plan B zu entwerfen „für den Fall, dass etwas anders läuft als erwartet“. Wer einen Ausweichplan hat, fühlt sich dem Unbekannten weniger ausgeliefert.
Nicht zu unterschätzen ist das Thema Selbstfürsorge. „Das bedeutet: Ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung“, resümiert Träder. Körperliche Betätigung wirkt häufig gegen Stress und sorgt für Glücksgefühle – und kann dazu beitragen, dass Zukunftsängste mit der Zeit von allein nachlassen.