Einigung über Produktions-Aus in Waiblingen – was bedeutet das für Mitarbeiter?

Wirtschaft

Bis spätestens Ende 2028 soll die Produktion von Bosch Power Solutions in Waiblingen schrittweise auslaufen. Was das Maßnahmenpaket für die Mitarbeiter umfasst.

Bosch-Mitarbeiter hatten in Waiblingen gegen die Schließung der dortigen PS-Produktion demonstriert – vergeblich.

Bosch-Mitarbeiter hatten in Waiblingen gegen die Schließung der dortigen PS-Produktion demonstriert – vergeblich.

(Foto: Gottfried Stoppel)

Von Rouven Spindler

Bosch und seine lokalen Arbeitnehmervertreter haben nach intensiven Verhandlungen zur geplanten Beendigung der Produktion des Geschäftsbereichs Power Solutions (PS) am Standort Waiblingen ein Ergebnis erzielt. Das teilt das Stuttgarter Technologie- und Dienstleistungsunternehmen am Montag mit, an dem die Mitarbeiter über die Einigung informiert worden seien.

Die PS-Fertigung an dem Sitz im Rems-Murr-Kreis, an dem Verbindungstechnik hergestellt wird, soll laut Bosch bis spätestens Ende 2028 schrittweise auslaufen. Rund 560 Mitarbeiter sind davon betroffen. Für sie seien ein Interessenausgleich und ein Sozialplan unterzeichnet worden, teilt der Konzern mit. Der Personalabbau solle möglichst sozialverträglich umgesetzt werden.

Rund 560 Bosch-Mitarbeiter sind in Waiblingen betroffen 

„Die Entscheidung zur Beendigung der Produktion in Waiblingen ist uns sehr schwergefallen – leider ist dieser Schritt jedoch notwendig, da wir unsere Produkte am Standort schon länger nicht mehr konkurrenzfähig produzieren können“, wird Jan-Oliver Röhrl, Bereichsvorstand des Geschäftsbereichs Power Solutions mit Verantwortung für Fertigung, Nutzfahrzeuge und Off-Road, in dem Statement zitiert. „Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unseren Beschäftigten ernst. Unser Ziel ist es, die Beendigung der Produktion in Waiblingen so fair und transparent wie möglich zu gestalten und unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen“, so Röhrl, der das Maßnahmenpaket als Basis dafür ansieht.

Auf dieses geht Bosch näher ein. Demnach will das Unternehmen den Mitarbeitern rund 220 Arbeitsplätze an anderen Konzernstandorten anbieten. Zudem will es die Beschäftigten bei der Vermittlung – intern sowie an andere Unternehmen – und durch nicht näher benannte Qualifizierungsmaßnahmen unterstützen. Neben freiwilligen Abfindungsangeboten würden auch Altersteilzeit- und Vorruhestandsangebote zum mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarten Paket gehören.

Bosch will massives Sparprogramm umsetzen

Der Stiftungskonzern, der in den kommenden Jahren 22 000 Stellen abbauen will, hatte Ende September vergangenen Jahres verkündet, die Produktion in Waiblingen bis Ende 2028 beenden zu wollen. Das zog Mitarbeiter-Proteste nach sich. Der lokale Betriebsratschef Stefano Mazzei war am Montagnachmittag kurzfristig nicht für eine Stellungnahme zu der nun getroffenen Einigung erreichbar.

Hintergrund für das Produktions-Aus in Waiblingen sei „die zunehmende Verlagerung des Marktes in den asiatischen Raum und der steigende Preis- und Wettbewerbsdruck“, heißt es vonseiten des Unternehmens, das von einem etwa um die Hälfte zurückgegangenen Umsatz für Verbindungstechnik-Produkte auf dem europäischen Markt berichtet. Es prognostiziert zudem weitere Umsatzrückgänge in den kommenden Jahren.

In Waiblingen ist das Produktionsvolumen und damit einhergehend das Beschäftigungsniveau laut Bosch seit vielen Jahren rückläufig. „Trotz entsprechender Anstrengungen konnten in dieser Zeit keine beschäftigungsrelevanten Neuprodukte gewonnen werden. Zusätzlich liegen die Herstellkosten am Standort bei einigen Produkten deutlich über den Marktpreisen“, erklärt der Konzern.

Die Maßnahme zählt laut Bosch zu denen, die das Unternehmen ergreift, um die Kostenlücke bei der Kfz-Sparte Mobility zu schließen. Die liege aufgrund des zuletzt noch anspruchsvolleren wirtschaftlichen Umfelds und der Marktbedingungen von Bosch Mobility weltweit bei rund 2,5 Milliarden Euro jährlich.

Die Tochtergesellschaften Bosch Healthcare Solutions GmbH und Bosch Industrial Additive Manufacturing, die ebenfalls am Standort Waiblingen angesiedelt sind, bleiben von der geplanten Beendigung der PS-Fertigung unberührt.