Unberührt?

Thema der Woche

Der Neuanfang in der Ziegelei unddie Kritik an Eingriffen in die Natur.

Unberührt?

Von einem „Planungs-Paradoxon“ hat in dieser Woche Stadtplaner Armin Dauner mit Blick auf die Einwände gegen die Konzepte zur Bebauung des Ziegeleigeländes gesprochen. Je konkreter ein Projekt wird und je näher die Umsetzung rückt, desto größer wird der Wunsch nach einer Beteiligung und, im Zweifelsfall, der Widerstand.

Im Fall der „Ziegelhöhe“ hat der Gegenwind, der nicht zuletzt aus der Nachbarschaft im Gebiet „Ulmer Schanz“ kommt, nach vielen Weichenstellungen erst seit der Informationsveranstaltung im April im Uhlandbau spürbar aufgefrischt. Dabei geht es vor allem um die Eingriffe in Flora und Fauna im Randbereich, auf die der Investor im Verfahren allein schon aus planungsrechtlichen Gründen Rücksicht nehmen muss.

Bei aller Bedeutung solcher Aspekte: Vorwürfe, wonach das Ziegeleiprojekt sozusagen ohne Rücksicht auf Verluste unberührten Lebensraum zerstört, wirken angesichts der Ausgangslage fehl am Platz. Schließlich verwandelt sich hier eine Industriebrache, die theoretisch weiterhin Industriestandort hätte sein können, in ein Wohngebiet, und die Bereitschaft der Logistikfirma Craiss zur Aussiedlung trägt auch nicht unbedingt zu weniger Lebensqualität im Umfeld bei. Dieses spezielle Baugebiet fällt eben nicht unter die Rubrik Flächenfraß auf der grünen Wiese, weil in Zeiten, in denen es an Wohnraum fehlt, eine einmalige Chance zur Innenentwicklung genutzt werden kann.

Das Areal lag nach dem Aus für das Ziegelwerk lange – viele meinen, zu lange – unberührt, aber dass die Idee eines Neuanfangs über die ganzen Jahre hinweg nicht transparent genug vermittelt worden wäre, lässt sich wahrlich nicht behaupten. Die Eidechsen und Füchse, die umziehen müssen, werden dennoch überrascht sein. Und vermutlich auch nicht wirklich begeistert.