Sinnfragen

Thema der Woche

Eine wankelmütige Politik trägt ihren Teil zur allgemeinen Konfusion bei.

Sinnfragen

Von Thomas Eier

Das Land Baden-Württemberg zieht ab Montag vorzeitig die Bundesnotbremse, und wiederum wirft das, was als Ausdruck entschlossenen politischen Handelns verstanden werden soll, erst einmal neue Fragen auf: Was genau ändert sich – und macht es wirklich Sinn ?

Der Diskussionsstoff geht in der dritten Welle nicht aus, und während zu Beginn der Pandemie vor einem Jahr die Entscheidungen einhellig getroffen und auf breiter Ebene akzeptiert und mitgetragen wurden, wird heute vieles, wenn nicht alles hinterfragt. Verantwortlich dafür ist in erster Linie das Virus mit seinen Mutanten, das unser Durchhaltevermögen auf eine harte Probe stellt. Mitschuldig an der allgemeinen Verunsicherung sind aber auch Politiker, die erst gemeinsame Beschlüsse anzweifeln und aufweichen und dann, wenn sich die Lage zuspitzt, ihre Bürger ausbremsen. Vorstöße wie jener von Landes- und Parteichef Laschet, der sich mit seiner Forderung nach einem „Brückenlockdown“ profilieren wollte, obwohl niemand das rettende Ufer kennt, stiften zusätzlich Konfusion, und die sporadischen Lockerungsübungen hierzulande mit spontanen Sprüngen zwischen Ladenöffnungen, Click & Meet und Click & Collect sprechen ebenfalls nicht für eine stringente Linie. Vom Chaos im Umgang mit Schulen und Kitas ganz zu schweigen.

Das jüngste Hin und Her stiftet Verwirrung und heizt die Debatte um Sinn und Unsinn von Maßnahmen – von der Maskenpflicht in einer meist menschenleeren Mühlacker Fußgängerzone bis hin zur anstehenden Ausgangsbeschränkung auf dem Dorf – zusätzlich an. Nach Meinung vieler könnten die Läden in Mühlacker, wo sich höchst selten Menschenaufläufe bilden, genauso gut geöffnet sein. Wo liegt hier – mit Maske und Abstand – das Risiko ? Und überhaupt: Woher kommen ausgerechnet im Enzkreis, auf dem platten Land, die vielen neuen Infektionen ? Wer steckt wen wann an ?

Die Lage ist diffuser denn je, die Reaktionen sind entsprechend, und während die Querdenker-Demos dem Staat maskenbefreit eine lange Nase drehen, wünscht sich Otto Normalverbraucher das beruhigende Gefühl zurück, dass es einen Plan gibt, der über drei Wochen (Brücken-)Lockdown hinausreicht.

Bis es so weit ist, werden sich all diejenigen, die nicht verquer, sondern geradeaus denken, zunehmend als Spielball der Inzidenzzahlen fühlen, weil sie zwar einerseits Kinder hüten und zur Arbeit pendeln, andererseits aber auf alles verzichten sollen, was das Leben ausmacht. Umso wichtiger ist es, dass jedem klar ist, welchen Sinn das Ganze verfolgt.