Plätzchen zur WM

Thema der Woche

Ein umstrittenes Turnier in Katar und Pläne fürs Public Viewing anderer Art.

Plätzchen zur WM

Fußballparty mit Glühwein und Weihnachtspunsch, Bratwurst und Plätzchen? Die Idee eines Public Viewing in Mühlacker in der Adventszeit verheißt, wenn sie denn wahr wird, aus Sicht eingefleischter Fans ein einmaliges Event. Andere sehen die Pläne des bewährten Teams um Initiator Bernd Huber skeptischer, und das nicht nur wegen der Jahreszeit: Kann eine WM im Wüstenstaat überhaupt die Euphorie vergangener Turniere wecken? Ist ein Sommermärchen à la 2006 auch im Winter möglich? Und reicht überhaupt noch die Zeit, um das ehrgeizige Unterfangen, zumal in Kombination mit dem Weihnachtsmarkt, zu stemmen?

Klarer Fall: Das Fußballspektakel in Katar ist umstritten wie kaum ein anderes zuvor. Steht doch die Vergabe an das Emirat, das zuletzt als mutmaßlicher Gaslieferant für Deutschland ins Rampenlicht rückte, endgültig für die Erkenntnis, dass beim Weltverband FIFA finanzielle Aspekte längst die sportlichen überdecken. Passen Winterspiele in klimatisierten Stadien, die von ausgebeuteten Arbeitsmigranten unter widrigsten Bedingungen aus dem sandigen Boden gestampft wurden, wirklich in eine Zeit des Klimawandels und der Appelle für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen?

Die Fußballanhänger hätten es sich anders gewünscht, wurden aber nicht gefragt. Nichtsdestotrotz werden sie Hansis Jungs, sobald der Anpfiff ertönt, voll unterstützen, sie werden mitfiebern und darauf hoffen, dass die deutsche Elf die Vorgeschichte und die Rahmenbedingungen dieser WM vergessen macht. Sie werden die Siege feiern und über Niederlagen trauern und dafür trommeln, dass im Sinne des Fair Play und des Klimaschutzes künftig Turniere nur noch in solchen Ländern stattfinden, wo schon Stadien stehen und der Fußball Tradition hat.

Public Viewing in Schal und Mütze, mit dampfenden Tassen und Weihnachtsliedern in der Aufwärmphase? Allen Umständen inklusive Corona zum Trotz könnte das, wenn das Team mitspielt und erfolgreich ist, eine stimmungsvolle Angelegenheit werden, die vom Mut des Organisators Bernd Huber lebt. Wird die Idee Wirklichkeit, gebührt ihm für seinen Einsatz im Sinne der Fangemeinde ein Sonderlob. Anders als der FIFA.