Lerneffekt

Thema der Woche

Lassen sich aus der Corona-KriseLehren für die Klimakrise ziehen?

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on Thomas Eier

Die Menschheit muss im doppelten Wortsinn Abstriche machen, seit Corona-Tests und Corona-Einschränkungen den globalen Alltag prägen. Während auch auf regionaler Ebene die schlechten Nachrichten nicht abreißen – das Gesundheitsamt berichtete von sechs neuen Todesfällen in Zusammenhang mit der Pandemie – wird immer wieder über die Lehren diskutiert, die aus der Krise zu ziehen sind. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen sind dramatisch, und dennoch gilt auch hier das Zitat von Dostojewski: „Alles Unangenehme hat auch sein Gutes.“

Zumindest in einer Hinsicht gilt das sogar für die Corona-Geißel: Sie beschert der überhitzten Welt eine kleine Auszeit. Weltweit gesehen, sagt im Interview die Klimaschutzbeauftragte des Enzkreises, Edith Marqués Berger, seien in diesem Jahr „dank“ Corona 2,5 Gigatonnen oder 4,6 Prozent weniger CO2 ausgestoßen worden. Weniger Verkehr auf der Straße, weniger Flugreisen, weniger Energieverbrauch – weil die Welt ein Stück weit innehält, kann der erwärmte Planet kurzzeitig durchatmen. Doch werden daraus Lehren gezogen?

Um den Klimawandel zu stoppen, müsste der erzwungene Verzicht zum Dauerzustand werden, während in der Vergangenheit gerne zum Geschäftsessen nach Asien oder zur Wochenendparty nach Mallorca gejettet wurde. Ist schließlich superbillig so ein Flug, solange die Ökobilanz nicht ins Kalkül fällt. Auch manche Autofahrt in den Betrieb könnte dank Homeoffice oder dank des neuen Fahrrad-Booms dauerhaft überflüssig werden, und die gewachsene Bereitschaft, Zeit in der heimischen Natur zu verbringen, anstatt das Kreuzfahrtschiff oder den Flieger in die Karibik zu entern, ist in puncto Klimaschutz auch nicht verkehrt. Möglichkeiten, einen Beitrag zu leisten, gibt es genug; jedenfalls dann, wenn man bereit ist, seine Ansprüche herunterzuschrauben.

Momentan, klagen die jungen Aktivisten von „Fridays for Future“, rede alles nur von der Corona-Krise, obwohl gegen die Klimakrise kein Impfstoff in Sicht sei. Sie würde sich wünschen, sagt die Klimaschutzbeauftragte des Enzkreises, dass jeder die momentane Phase dazu nutze, das eigene (Konsum-)Verhalten zu reflektieren und sich über die wirklich wichtigen und notwendigen Dinge klarzuwerden. Ein frommer Wunsch? Wären wir tatsächlich lernfähig, hätte Dostojewskis Zuversicht einen wahren Kern.

zum Thema siehe Interview auf Seite 11