Inklusiv und exklusiv

Thema der Woche

Ein mutiges Projekt als Zeichender Zuversicht im Corona-Blues.

Inklusiv und exklusiv

Von Thomas Eier

Irgendwie wohltuend, dass es in diesen Zeiten, die selbst überzeugte Optimisten auf eine harte Probe stellen, Menschen gibt, die Pläne machen für einen Neubeginn – zum Beispiel in den Enzgärten, wo es für das Restaurant „EssEnz“ neben einem „klassischen“ Interessenten aus der Pforzheimer Gastroszene auch einen ganz neuen Ansatz für ein inklusives Modellprojekt gibt. Die Entscheidung darüber fällt – mutmaßlich im März – im Ratssaal, aber auf dem Papier wirkt das Konzept mit einer Einbindung von Menschen mit Handicaps, einer regional geprägten Speisekarte und erweitertem Service ziemlich überzeugend.

Hauptsache, ist man im gefühlten Dauer-Lockdown versucht zu sagen, es geht überhaupt noch was voran, und in der Hoffnung, dass lange vor Pfingsten wieder Gastronomiebetriebe geöffnet haben, erwarten wir gespannt den Fortgang des ambitionierten Vorhabens auf dem Gartenschaugelände, wo – ohne Corona-Krise – das „EssEnz“ als wichtiger Faktor der Aufenthaltsqualität gilt. Die aktuelle Stimmung im Gastgewerbe entspricht ansonsten jener in anderen Branchen und im Grunde in der ganzen Bevölkerung: Die Sehnsucht nach mehr Normalität wächst, und die Hängepartie zerrt zunehmend an den Nerven.

Umso ärgerlicher sind Meinungen exklusiver Natur; zum Beispiel jene, wonach Fußball-Millionäre als „Vorbilder“ früher geimpft werden sollten, während die Amateure bislang nicht mal trainieren dürfen und Kinder nicht auf den Bolzplatz sollen. Der Bayern-Boss ist inzwischen ein Stück weit zurückgerudert, und das ist auch gut so, nachdem die Kollegen aus Dortmund ihren Sieg gegen Schalke als „leuchtende Vorbilder“ ohne Masken und Abstand im Mannschaftsbus gefeiert und das Ganze im Video festgehalten haben. Ein starkes Zeichen der Solidarität mit der Basis ...

Inklusion beschreibt das Prinzip der Teilhabe, und gerne würden wir – nach dem Vorbild der privilegierten Profis, die um die Welt reisen und sich um Coronatests nicht zu bemühen brauchen – wieder mehr teilhaben am alltäglichen Leben. Zum Beispiel mit einem Einkaufsbummel oder einer gemütlichen Einkehr, und das bitte deutlich vor der geplanten Neueröffnung des „EssEnz“, die im Frühsommer stattfinden könnte.

Was es vor allem braucht, um die Zuversicht zu stärken und das leidige Gerangel um die richtige Reihenfolge zu beenden, sind mehr Impfungen für die breite Bevölkerung. Diese Meinung hat der Autor mit Sicherheit nicht exklusiv.