Fair impfen

Thema der Woche

Die Kampagne gewinnt an Fahrt – und die Debatte um neue Freiheiten.

Fair impfen

Von Thomas Eier

Die Impfkampagne gewinnt nach einem Stolperstart an Fahrt, und damit steigen im Wettrennen gegen das Virus und seine Mutanten die Chancen weiter Bevölkerungskreise auf die ersehnte Dosis. Spätestens dann, wenn die Mangelwirtschaft vorbei und die Priorisierung aufgehoben ist, dürfte es zügig vorangehen. Was schon deshalb wichtig wäre, um das derzeitige Gerangel um den Vortritt zu beenden. Wer hat die Spritze am nötigsten und wer am allernötigsten ? An Wünschen und Vorschlägen mangelt es nicht, und gefühlt heben derzeit jeden Tag zehn Neue den Finger.

Von „Impf-Fairness“ ist in einer Verlautbarung der regionalen SPD, die sich auf ihren Vizekanzler und Kanzlerkandidaten Olaf Scholz bezieht, die Rede, und wer wollte dem Anspruch, gerecht zu verfahren, widersprechen. Andererseits gehört – zum Beispiel – die Forderung, Menschen in sozialen Brennpunktquartieren bevorzugt zu behandeln, weniger in die Rubrik Fairness als unter die Überschrift Pragmatismus. Weil hier die Leute dicht aufeinander hocken und nicht selten auf Kriegsfuß mit den Corona-Regeln stehen, häufen sich die Infektionen – und eine Impfung macht Sinn. Dafür muss derjenige, der sich im eigenen Häuschen mit Garten vorbildlich an alle Vorgaben hält, ein bisschen länger warten. Fair und gerecht – naja . . . Aber womöglich im Sinne des Großen und Ganzen dennoch richtig und wichtig.

Entscheidend ist vor allem, dass jede einzelne Dosis fair-impft und so schnell als möglich an den Mann oder die Frau gebracht wird. Am nächsten dran an den Menschen sind naturgemäß die Haus- und Fachärzte, und werden ihre Praxen mit ausreichend Material ausgestattet, wird sich auch das Tauziehen um die Termine in den Impfzentren entspannen.

Im April, teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum mit, seien mehr Menschen geimpft worden als von Januar bis März. Kunststück !, ist man geneigt zu sagen, aber der Blick geht nach vorne: „Wir sind“, ist Krichbaum überzeugt, „auf einem sehr guten Weg, im Sommer eine Herdenimmunität zu erreichen.“ Weshalb auch längst munter über mögliche Privilegien für Geimpfte debattiert wird, was diejenigen, die bislang zum Warten verdammt sind, doch ein wenig unruhig werden lässt. Schließlich hätten alle gerne mehr Freiheiten zurück, und das gilt selbst für Querdenker, die sich unbeirrt gegen einen „staatlichen Impfzwang“ wehren.

Keine Sorge, den wird es kaum brauchen, denn allein die Gedankenspiele um Lockerungen für Geimpfte reichen völlig aus, um den Wunsch nach dem Piks zu fördern – ob das nun fair ist oder nicht.