Protestaktion im Prämienzoff: Zverev hofft auf "fairen Weg"

Sport

Gestreikt wird beim Grand-Slam-Turnier in Paris zwar nicht. Die Spieler setzen dennoch Zeichen des Protests, was die Macher der French Open ärgert. Tennis-Idol Boris Becker bezieht klar Stellung.

Auch Alexander Zverev unterstützt die Spieler-Forderung nach einer größeren Beteiligung an den Einnahmen im Tennis. (Archivbild)

Auch Alexander Zverev unterstützt die Spieler-Forderung nach einer größeren Beteiligung an den Einnahmen im Tennis. (Archivbild)

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Von dpa

Paris - Im Prämienstreit mit den Grand-Slam-Organisatoren haben die Tennisprofis um Alexander Zverev am Medientag der French Open ein Protestzeichen gesetzt. Die Spielerinnen und Spieler sprachen nur jeweils maximal 15 Minuten mit der Presse.

"Ich leite das Projekt zwar nicht, freue mich aber sehr, dabei zu sein", sagte Zverev: "Es muss Fairness gegenüber den Spielern herrschen - und zwar nicht nur gegenüber den Nummern eins, zwei und drei der Weltrangliste, sondern gegenüber allen."

Aus dem Spielerkreis hatte es zuletzt sogar Drohungen gegeben, ein Grand-Slam-Turnier komplett zu boykottieren. Doch dazu kommt es bei den am Sonntag beginnenden French Open in Paris nicht. Stattdessen verkürzten die Profis ihre Zeit für Interviews. "15 Minuten sind besser als null", sagte die belarussische Weltranglistenerste Aryna Sabalenka, die ihre Pressekonferenz vorzeitig beendete.

Man sei wegen der Protest-Geste "etwas betrübt", sagte Turnierdirektorin Amélie Mauresmo. Die Ex-Spielerin stellte klar: "Wir werden jetzt keine Änderungen vornehmen, wir werden aber Gespräche anstoßen. Das ist letztendlich der Wunsch aller Beteiligten." 

Darum geht es in dem Zoff

Hintergrund des Streits ist, dass die Spielerinnen und Spieler den Anteil an den steigenden Einnahmen, der derzeit zwischen 12 und 16 Prozent liegt, als zu gering erachten. Sie verlangen 22 Prozent. Begründung: Vor allem Profis aus der zweiten und dritten Reihe wäre damit enorm geholfen. Tennisprofis reisen als Alleinunternehmer um die Welt, zahlen Trainer und Physiotherapeuten aus eigener Tasche. Nur wenige können sich das problemlos leisten. 

61,7 Millionen Euro werden bei den diesjährigen French Open ausgeschüttet, das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr und gar etwa 45 Prozent mehr als bei der Ausgabe 2019. Auch bei den drei anderen Grand-Slam-Turnieren in Melbourne, Wimbledon und New York steigen die Summen regelmäßig. Die Einnahmen bei den vier Major-Turnieren aber auch. "Wir reden nicht von Turnieren, die arm sind, die machen genug Geld", sagte Zverev. Er hoffe, dass ein "fairer Weg" gefunden werde, "ohne Streit oder irgendwelche Boykotts".

Becker auf Seite der Spieler

Boris Becker bezog klar Stellung. "Ich kann die Spieler verstehen, eine Tenniskarriere kann morgen vorbei sein", sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner in einer Eurosport-Medienrunde: "Ja verdammt nochmal, wenn ihr so viel Geld verdient, gebt es doch aus an Preisgeldern auch in den Anfangsrunden für Spieler, die das zum Überleben brauchen." 

"Ich glaube, irgendwann werden wir das boykottieren", hatte Sabalenka vor einigen Tagen gesagt. Und auch Italiens Tennisstar Jannik Sinner zählt zu den Wortführern in diesem Konflikt. "Es geht mehr um den Respekt", erklärte der große Turnierfavorit für die French Open: "Ich denke, wir geben mehr als das, was wir zurückbekommen."

Hat eine klare Meinung zum Prämien-Zoff im Profitennis: Boris Becker (Archivbild)

Hat eine klare Meinung zum Prämien-Zoff im Profitennis: Boris Becker (Archivbild)

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Auch Jannik Sinner äußert sich zum Zoff.

Auch Jannik Sinner äußert sich zum Zoff.

(Foto: Kyodo/dpa)