Absage: Muss Alexander Zverev eine Strafe befürchten?
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Der frischgebackene French-Open-Sieger hat seine Teilnahme am Rasenturnier in Stuttgart abgesagt. Wie sind die Dinge nun geregelt?
Alexander Zverev nach dem Sieg bei den French Open.
(Foto: IMAGO/Bestimage)
Von Marco Seliger
Alexander Zverev ist präsent rund um das Gelände des TC Weissenhof. Der frischgebackene French-Open-Sieger ist mit seinem Konterfei schon bei der Anfahrt an den Straßenrändern auf den großen Turnierfahnen zu sehen, ebenso auf der Anlage auf großen Plakaten. Allein: in echt wird der Weltranglistendritte nach seinem ersten Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier am Sonntag auf dem Killesberg nicht zu begutachten sein.
Der Vorjahresfinalist hat seine Teilnahme bereits zum Ende der vergangenen Woche abgesagt. Damit war trotz eines Vertrags mit den Veranstaltern der Boss Open zu rechnen gewesen. Denn klar war: Kommt der Weltranglistendritte weit in Paris, also ins Halbfinale oder Finale, sinken die Chancen auf den Start in Stuttgart, da dann nach den Strapazen eine Pause alles andere als ausgeschlossen ist.
Zverev stürzte sich nach seinem Triumph bei den French Open erst einmal direkt in eine Art Partymarathon. „Um ehrlich zu sein, bin ich schon ein bisschen betrunken, deshalb wiederhole ich mich vielleicht etwas öfter als sonst", scherzte der frischgebackene Grand-Slam-Sieger noch am Sonntagabend. Vorher hatte sich Zverev in einem dramatischen Finale mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7, 6:1 gegen den Italiener Flavio Cobolli durchgesetzt.
Alexander Zverev ist glücklich
„Egal, was jetzt passiert, ich werde immer ein Grand-Slam-Sieger sein, und das kann mir niemand nehmen", sagte Zverev noch: „Dieser Titel stärkt mein Selbstvertrauen auf jeden Fall sehr." Sein erster Major-Erfolg gebe ihm „eine gewisse Freiheit. Es gibt mir das Gefühl, dass ich vielleicht etwas gelassener sein werde, wenn ich ein Finale spiele – das heißt, selbst wenn ich verliere, bin ich immer noch Grand-Slam-Gewinner.“
Allzu gerne hätten die Veranstalter und auch Stuttgarts Tennisfans den Paris-Triumphator nun auf dem Weissenhof begrüßt. Zverevs Absage aber wird, Vertrag hin oder her, betont gelassen genommen. Großes Verständnis hat man für den Hamburger, sei es vonseiten der meisten Tennisanhänger auf dem Gelände oder der Verantwortlichen - ob offiziell oder auch im inoffiziellen Gespräch. Der Tenor: „Wir alles freuen uns mit ihm und hoffen, dass er nächstes Jahr wieder hier aufschlägt.“
Wie ist die offizielle Regelung?
Doch wie ist die Sache eigentlich offiziell geregelt, wenn ein Star der Szene wie Zverev kurzfristig seine Teilnahme an einem Turnier absagt, obwohl er vorher vertraglich schon zugesagt hatte? Zur Erinnerung: noch vor zwei Jahren hatte Turnierdirektor Edwin Weindorfer nach einer kurzfristigen Absage Zverevs für das Rasenturnier auf dem Weissenhof seine Forderung nach härteren Strafen bekräftigt. „Es wird Spielern generell zu einfach gemacht, für Turniere abzusagen“, sagte Weindorfer anno 2024.
Damals galt die Regel, dass Profis auf der Männertour der ATP zwei Turniere pro Saison kurzfristig absagen dürfen, ohne dafür belangt zu werden. In diesem Jahr hat Zverev vor ein paar Wochen bereits seine Teilnahme an seinem Heimturnier in Hamburg kurzfristig abgesagt. Auf Nachfrage teilt die ATP nun am Montag ohne konkreter zu werden mit, dass mögliche Strafen vom Zeitpunkt der Absage und jeweils von der Größe des Turniers abhängen. Die Boss Open sind ein so genanntes 250er-Turnier, es gibt also für den Sieger 250 Weltranglistenpunkte; es gibt auf der Tour unter anderem auch noch die 500er– und 1000er-Turniere
Die Stars um Zverev sitzen am längeren Hebel
Fernab der Fakten wissen alle Beteiligten ohnehin: Die Stars der Szene um Zverev sitzen am längeren Hebel. Finanzielle Sanktionen bei Absagen schreckten sie in der Regel nicht ab. Die Veranstalter wie jene in Stuttgart wiederum sind auch mit Blick in die Zukunft auf die großen Zugpferde angewiesen. Sie wollen es sich, salopp gesagt, in den nächsten Jahren nicht mit ihnen verscherzen.
Bei der Profitour der Frauen gab es zuletzt zumindest immer mal wieder Debatten über mögliche Punktabzüge in der Weltrangliste, wenn die Stars der Szene kurzfristig für Turnier absagten – ein Mittel, das generell Wirkung erzielen könnte. Bei den Männern ist man von solchen Gedankenspielen noch weiter entfernt.
In Stuttgart sind jetzt beim mit insgesamt 768.220 Euro dotierten Turnier der Vorjahressieger und aktuelle Weltranglistenneunte Taylor Fritz (USA) und sein Landsmann Ben Shelton, aktuell Weltranglistenfünfter, sowie der kasachische Ranglistenelfte Alexander Bublik, die topgesetzten Spieler.
In Yannick Hanfmann, Daniel Altmaier und Jan-Lennard Struff sowie Tom Gentzsch und Diego Dedura (beide mit einer Wildcard ausgestattet) sind fünf deutsche Tennisprofis im Hauptfeld am Start – sie allen greifen an diesem Dienstag beim Tag der Deutschen ohne den besten Deutschen namens Zverev ins Geschehen auf dem Killesberg ein. Ebenfalls im Fokus ist der Auftritt des australischen Enfant terribles Nick Kyrgios gegen Corentin Moutet (Spielbeginn nicht vor 17 Uhr).