Zypern kämpft um seinen Ruf als Ferieninsel
Politik
Der Tourismussektor auf der Insel spürt die Folgen des Krieges in Nahost. Die Regierung startet ein Hilfspaket, zum längerfristigen Problem könnte der Imageschaden werden.
Ein Transportflugzeug überfliegt den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri in der Nähe von Limassol. Die Lage hatte sich dort nach einem Drohnenangriff schnell wieder normalisiert
(Foto: Petros Karadjias/AP/dpa)
Von Knut Krohn
In Lefkara herrscht eine ungewöhnliche Ruhe. Die Bewohner des kleinen Bergdorfes können die beschauliche Atmosphäre allerdings nicht genießen. Die Silberschmiede und traditionellen Stickereien leben von den Touristen, die an normalen Tagen in unzähligen Bussen herangekarrt werden und sich durch die malerischen Gassen drängeln. Doch im Moment gibt es keine normalen Tage in Lefkara. Der Grund: Zypern liegt nur knapp 150 Kilometer von Israel und dem Libanon entfernt und dort tobt ein zerstörerischer Krieg.
Ein kleines Dorf gerät in die Mühlen der Weltpolitik
Also sitzen die Inhaber der Souvenirshops resigniert vor ihren Geschäften und können nicht verstehen, dass das kleine Dorf am Fuße Troodos-Gebirges in die Mühlen der großen Weltpolitik geraten ist. „Hier ist doch alles wie immer“, betont ein Ladeninhaber. Eine Fahrt über die Mittelmeerinsel gibt dem Mann Recht. In den beiden großen Städten Nikosia und Limassol staut sich am Morgen und Abend wie jeden Tag der Berufsverkehr. Selbst der Benzinpreis hat – im Gegensatz zu Deutschland - keine allzu großen Sprünge nach oben gemacht und liegt bei rund 1,50 Euro für den Liter.
Nur wer mit dem Auto in Richtung Episkopi fährt, bekommt eine Ahnung von der Bedrohung durch den Krieg. Immer wieder passiert man Kontrollposten, denn in dem Bereich der Insel liegt die Hauptverwaltung der britischen Militärbasen auf Zypern. Der dortige RAF-Luftwaffenstützpunkt Akrotiri war Anfang März auch das Ziel einer Drohne iranischer Bauart. Der materielle Schaden war damals zwar gering, doch die Auswirkungen auf das Image der Mittelmeerinsel waren enorm.
Zweifelhafte Berichte in den Medien
„Die Menschen auf Zypern machen sich schon viele Gedanken über den Krieg im Nahen Osten“, erklärt Alfred Gruber, ein ehemaliger Lehrer aus Stuttgart, der auf der Insel seinen dort lebenden Sohn besucht. Im selben Atemzug werde aber immer betont, dass das Leben auf Zypern trotz der geografischen Nähe zu Israel und dem Libanon sehr sicher sei. Einen Schuldigen für die Misere hätten die Bewohner der Insel bereits ausgemacht, erzählt Alfred Gruber. „Nicht der Krieg hält uns die Gäste fern, sondern die Medien“, habe ihm der Wirt einer kleinen Taverne zugeraunt. „Da geht es nicht um Wahrheit, sondern nur um möglichst viele Klicks!“ Vor allem britische Boulevardblätter haben sich nach dem Einschlag der Drohne auf der zypriotischen RAF-Basis im März mit reißerischen Berichten geradezu überschlagen. Inzwischen beschweren sich die Bewohner auf der Insel immer wieder über Fakenews und sprechen von einer grundlosen Medienhysterie.
Zwar betonen auch Zyperns Präsident Nicos Christodoulides und seine gesamte Ministerriege bei jeder Gelegenheit, dass die Insel sicher sei, doch konnten auch sie die Stornierungswelle nicht bremsen. Aus diesem Grund hat die Regierung in Nikosia ein Hilfspaket in Höhe von 200 Millionen Euro aufgelegt, um die wirtschaftlichen Folgen der Nahost-Krise für die Branche abzufedern. Im April sollen 30 Prozent der Löhne von Beschäftigten in Hotels und Unterkünften übernommen werden, die dann in die Saison starten. Hintergrund ist, dass manche Betriebe ihre Öffnung wegen nachlassender Buchungen zu verschieben planen. Zusätzlich plant die Regierung Hilfen für Fluggesellschaften, um die Anbindung an wichtige Herkunftsmärkte zu sichern.
Nicht die erste Krise für Zypern
Zum Problem wird auch, dass dies nicht die erste massive Krise im Tourismussektor ist. Nach der Corona-Pandemie brach nach 2022 wegen des Überfalls Russlands auf die Ukraine der sehr wichtige russische Markt völlig ein. Doch dieses Mal ist die Herausforderung allerdings noch komplexer. Die Hoteliers müssen nicht nur mit dem Verlust des bisher stets florierenden israelischen Marktes sowie dem Ausbleiben der ausgabefreudigen Besucher von der arabischen Halbinsel zurechtkommen. Jetzt spielt nun auch die Psychologie der Reisenden eine große Rolle. Selbst wenn der Krieg im Nahen Osten oder im Iran schnell zu Ende gehen sollte, wird es nach Ansicht von Tourismusexperten für Zypern geraume Zeit dauern, das Image einer Krisenregion wieder loszuwerden.