Mehr als 5000 Ebola-Tote im Kongo – und kein Ende in Sicht

Politik

Erst kürzlich wurden aus dem Kongo mehr als 10.000 Ebola-Fälle gemeldet. Auch die Zahl der Toten überschreitet nun eine weitere kritische Schwelle.

Gesundheitsmitarbeiter in Ganzkörper-Schutzanzügen stehen vor einem Klinik-Gebäude in der Stadt Goma.

Gesundheitsmitarbeiter in Ganzkörper-Schutzanzügen stehen vor einem Klinik-Gebäude in der Stadt Goma.

(Foto: Imago/Xinhua)

Von Markus Brauer

In der Demokratischen Republik Kongo sind bereits mehr als 5000 Menschen an Ebola gestorben. Wie die Gesundheitsbehörden des zentralafrikanischen Landes mitteilen, starben seit Mitte Mai 5026 Menschen nachweislich an dem hochgefährlichen Fieber. Die Zahl der an Ebola Erkrankten stieg auf 10.351. Derzeit werden 1101 Menschen behandelt oder befinden sich in Isolation. 2788 frühere Ebola-Patientinnen und Patienten gelten als genesen.

Die tatsächliche Zahl der Krankheitsfälle und Toten könnte sogar noch höher liegen, da Experten davon ausgehen, dass sich die Krankheit bereits vor der offiziellen Bekanntgabe des Ausbruchs am 15. Mai seit mindestens Februar unerkannt verbreitete.

Bundibugyo-Erreger führt zu schneller Ausbreitung

Der auf den Bundibugyo-Erreger zurückgehende Ausbruch zeigt einen besorgniserregend schnellen Anstieg. Derzeit gibt es auch Fälle in Kenia, die auf den Aufenthalt eines inzwischen verstorbenen Kenianers im Kongo zurückzuführen sind. Das westafrikanische Nigeria meldete am 20. Oktober den ersten Ebola-Fall. Die Ehefrau eines Schweizer Diplomaten war einige Tage nach einer mehrwöchigen Reise nach Uganda erkrankt.

In Europa trat bislang ein Fall auf: Im Juni wurde ein Arzt nach einem Kriseneinsatz im Ostkongo in Frankreich positiv getestet und später genesen aus dem Krankenhaus entlassen.

Bisher kein Impfstoff für Bundibugyo-Erreger

Ebola-Fieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hochansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus.

Der aktuelle Ausbruch ist auch deshalb besonders schwer einzudämmen, weil es für den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen speziellen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. Zudem ist in der Anfangsphase einer Ansteckung mit dem Bundibugyo-Erreger leicht eine Verwechslung etwa mit einer Malaria-Erkrankung möglich. Das kann zu einer verspäteten Isolation und Behandlung der Patienten beitragen.

Seit Juli laufen allerdings klinische Versuche zur Testung zweier antiviraler Therapieverfahren. Zudem werden Versuchsreihen zu Impfstoffen durchgeführt. Dabei wurde bislang untersucht, ob der Ebola-Impfstoff Ervebo auch vor dem Bundibugyo-Typ schützt.

Ervebo ist bisher nur gegen die Ebola-Viruskrankheit - früher Zaire-Ebolavirus genannt - zugelassen und empfohlen.

Wie Ebolaviren die Haut durchdringen

Das Ebolavirus kann zwischen Menschen wohl auch durch Hautkontakt übertragen werden. Eine US-Studie zeigt auf, wie der Erreger aus dem Blut verschiedene Zelltypen und Schichten der Haut infiziert und dabei bis an ihre Oberfläche gelangt.

„Diese Studie erforscht die Rolle der Haut als möglichem Übertragungsweg einer Ebola-Infektion“, erläutert Erstautorin Kelly Messingham von der University of Iowa. „Sie identifiziert erstmals mehrere Zellarten der Haut, die eine solche Infektion ermöglichen.“

Lebensgefährliche Blutungen

Das seit den 1970er Jahren bekannte Ebolavirus verursacht in Zentral- und Westafrika immer wieder – meist lokal begrenzte – Epidemien. Der Erreger wird vor allem durch Körperflüssigkeiten wie etwa Blut, Urin, Speichel oder Erbrochenes übertragen.

Symptome der Krankheit sind neben Müdigkeit, Übelkeit, Schmerzen und Fieber unter anderem lebensgefährliche innere und äußere Blutungen.

Seltene und lebensbedrohliche Infektionskrankheit

Ebola ist eine seltene und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Sie gehört zu den viralen hämorrhagischen Fiebererkrankungen (VHF) und wird durch das Ebolavirus verursacht. In der Fachliteratur gängige Bezeichnungen für Ebola sind Ebola Virus Disease (EVD) und Ebolafieber.

Die Gattung Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviren und wird in fünf Spezies unterteilt: Zaire, Sudan, Taï Forest, Bundibugyo und Reston. Reston ist als einzige Spezies für Menschen in der Regel nicht gefährlich. Der bislang größte Ausbruch 2014/2015 in Westafrika mit mehr als 11.000 Todesopfern wurde durch das Zaire-Ebolavirus verursacht, ebenso alle Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo in den letzten Jahren.

Der Ausbruch in Uganda seit September 2022 wurde durch das Sudan-Ebolavirus (SUDV, auch „Sudanvirus“) verursacht.

Analyse menschlicher Haut

Schon 2014/15 gab es den Verdacht, dass sich manche Patienten durch Hautkontakt mit Erkrankten und Verstorbenen infiziert haben könnten. Die nun im Fachblatt „Science Advances“ vorgestellte Laborstudie bestätigt diesen Infektionsweg.

Darin analysiert das Team um Kelly Messingham Proben von menschlicher Haut, die von gesunden Menschen stammen. Die bis zu acht Millimeter dicken Proben wurden derart in eine Schale platziert, dass nur die tiefere Schicht – die Dermis (Lederhaut) – Kontakt zum Nährmedium hatte, nicht aber die Oberhaut – die Epidermis.

Dann gab das Team Ebolaviren oder ähnliche Erreger in das Nährmedium und untersuchte deren Ausbreitung bis zu 17 Tage lang.

Mehrere Zelltypen infiziert

In der Haut infizierten die Erreger gleich mehrere Zelltypen, darunter in der Dermis bestimmte Makrophagen des Immunsystems, an der Innenseite der Blutgefäße liegende, spezielle Endothelzellen, Fibroblasten des Bindegewebes sowie in der Epidermis auch Keratinozyten, also hornbildende Zellen.

Binnen drei Tagen gelangten die Erreger bis in die oberste Schicht der Epidermis. Das zeige, dass sich das Virus durch die Haut verbreiten könne, folgert die Gruppe. Die Epidermis wurde in sämtlichen Hautproben infiziert, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß, wie das Team betont.

„Unsere Resultate zeigen, dass die Keratinozyten der Epidermis als zelluläre Ziele der Ebolavirus-Infektion dienen“, schreiben die Forscher. „Die Verbreitung des Virus durch die Hautschichten in die Epidermis könnte zur Präsenz infektiöser Viren auf der Hautoberfläche führen.“ Dies wäre ein möglicher Übertragungsweg. (mit dpa)

Kolorierte Aufnahme von Ebolaviren mit dem Elektronenmikroskop.

Kolorierte Aufnahme von Ebolaviren mit dem Elektronenmikroskop.

(Foto: Imago/BISP)