Mann droht in ICE mit Anschlag – Zwölf Leichtverletzte
Panorama
Mitten im Reiseverkehr vor Ostern kommt es in einem ICE in Nordrhein-Westfalen zu einem gravierenden Zwischenfall. Ein Mann spricht Drohungen aus. Es kommt zu kleinen Explosionen.
Ein Mann hat laut Bundespolizei in einem ICE mit einem Anschlag gedroht. Dabei wurden mehrere Menschen leicht verletzt, sogar sogenannte Softair-Böller sollen explodiert sein (Symbolfoto).
(Foto: Patrick Seeger/dpa/Patrick Seeger)
Von red/dpa
Inmitten der Oster-Reisewelle hat ein Mann in einem ICE in Nordrhein-Westfalen Polizeiangaben zufolge mit einem Anschlag gedroht und Böller explodieren lassen. Zwölf Fahrgäste wurden bei dem Vorfall am Donnerstagabend leicht verletzt. Der 20-jährige Deutsche aus Aachen soll in dem Zug von dort nach Frankfurt laut Zeugenaussagen pyrotechnische Gegenstände, die mit Kunststoffkugeln gefüllt waren, geworfen haben, wie ein Sprecher der Polizei Siegburg der Deutschen Presse-Agentur sagte. In einer Mitteilung der Polizei aus der Nacht hieß es, dass es sich um zwei bislang nicht näher bestimmte pyrotechnische Gegenstände gehandelt habe.
ICE wurde geräumt
Die Polizei rückte mit schwer bewaffneten Beamten an, der ICE 19 wurde geräumt. Die Hintergründe des Vorfalls sind weiter unklar. Der Tatverdächtige befindet sich laut der Mitteilung aus der Nacht im polizeilichen Gewahrsam. Die Ermittlungen zu seiner Motivation und den Hintergründen dauerten an, hieß es. Die Polizei war am Morgen zunächst nicht zu erreichen.
In der Mitteilung hieß es auch, dass eine verletzte Person vermutlich ein Knalltraumata erlitten habe. Sie wurde demnach in ein Bonner Krankenhaus gebracht, kurze Zeit später aber wieder entlassen. Eine Sprecherin der Bundespolizei sprach nach einer ersten Lageeinschätzung auch von „leichten, oberflächlichen Hautverletzungen“ bei Betroffenen. Die meisten Fahrgäste in dem Zug kamen kurz vor Ostern aber mit dem Schrecken davon.
Messer im Rucksack
Der Mann habe mit einem Anschlag gedroht und ein Messer im Rucksack gehabt, sagt die Sprecherin der Bundespolizei zunächst. Details nannte sie nicht. Bei Durchsuchungen fanden die Beamten ein weiteres Messer sowie zwei frei verkäufliche Rauchkörper und eine Maske, wie es in der Mitteilung weiter hieß. Zuvor hatten mehrere Medien über den Vorfall berichtet.
„Um 20.55 Uhr wurden vermeintliche Schüsse im Zug ICE 19 am Bahnhof Siegburg gemeldet“, hatte eine Bahn-Sprecherin mitgeteilt. Nach ersten Untersuchungen der Polizei habe sich herausgestellt, dass es sich bei den Knallgeräuschen um gezündete Feuerwerkskörper gehandelt habe. Die Bundespolizei sprach zunächst von sogenannten Softair-Böllern. Um was es sich genau handelte, war am Morgen noch unklar.
Polizei nimmt Tatverdächtigen fest
Dem Sprecher der Siegburger Polizei zufolge hatte der Tatverdächtige zunächst die Böller gezündet und sich dann auf eine Zugtoilette zurückgezogen. Dort habe ihn dann ein Fahrgast eingeschlossen, bis der Zug am Bahnhof eintraf. Der 20-Jährige sei dort von der Bundespolizei herausgezogen worden und nun im Gewahrsam der Siegburger Polizei, sagt der Sprecher. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ schreibt von einer maskierten Person.
Zunächst war die Rede von insgesamt rund 150 Fahrgäste gewesen, die den Zug verlassen mussten und von der Feuerwehr versorgt wurden. Später schrieb die Polizei dann von 180 Gästen an Bord. Viele von ihnen sind den Angaben zufolge Urlaubsreisende und standen mit Koffern auf dem Bahnsteig. Die Passagiere seien in einer nahegelegenen Turnhalle von der Siegburger Feuerwehr versorgt und durch Notfallseelsorger betreut worden, hieß es. Der Zug und das Bahngleis seien untersucht und später wieder freigegeben worden.
Zugverkehr eingeschränkt
Laut Bundespolizei war lediglich das betroffene Gleis gesperrt. Für andere Zugreisende zwischen Köln und Frankfurt blieb der Zwischenfall in der Nacht zum Karfreitag aber nicht ohne Folgen. „Die auf der Strecke befindlichen Züge des Fernverkehrs fahren zurück nach Frankfurt und führen die Fahrt zum Zielort über das Rheintal fort“, sagt eine Bahnsprecherin.