Streiter für die Glaubensfreiheit

Ötisheim

300. Todestag Henri Arnauds: Was hat der Waldenserpfarrer heutigen Menschen noch zu sagen? Viel, lautet die Erkenntnis aus einem Gedenkgottesdienst mit anschließendem Empfang. Im Schönenberger Museum werden ein Film und eine Sonderausstellung präsentiert.

Im Gottesdienst – im linken Bild Pfarrer Markus Epting und Mario Ratsimba (re.) bei einem Anspiel – und im anschließenden Empfang werden Leben, Wirken und Persönlichkeit Henri Arnauds beleuchtet. Vorgestellt wird auch ein Film über die Waldenserbewegung. Fotos: Stahlfeld

Im Gottesdienst – im linken Bild Pfarrer Markus Epting und Mario Ratsimba (re.) bei einem Anspiel – und im anschließenden Empfang werden Leben, Wirken und Persönlichkeit Henri Arnauds beleuchtet. Vorgestellt wird auch ein Film über die Waldenserbewegung. Fotos: Stahlfeld

Von Ulrike Stahlfeld

Ötisheim-Schönenberg. Er war ein streitbarer Pfarrer, ein ebenso großer Europäer und kann die Menschen bis heute inspirieren: der vor 300 Jahren verstorbene Waldenserpfarrer Henri Arnaud (1643 bis 1721). „Glaube und Widerstand“ ist das Jubiläumsjahr überschrieben, das verschiedene Veranstaltungen umfasst.

Am Mittwoch, 8. September, Arnauds 300. Todestag, fanden in Schönenberg ein Gottesdienst und eine Gedenkfeier statt. Angereist waren Gäste aus Waldensergemeinden in Italien, Frankreich und der Schweiz. Auch Vertreter der Kirchengemeinden im Raum Mühlacker und Vaihingen sowie der badischen und württembergischen Landeskirche durfte Dorothea Vinçon, Präsidentin der Deutschen Waldenservereinigung, beim Empfang im Garten neben dem Waldensermuseum begrüßen.

„Wir sind in einer internationalen Gesellschaft heute Abend“, so die Präsidentin erfreut, denn gerade das spiegle die Charakterzüge von Arnaud wider. Er sei ein Europäer, ein Reisender und Unruhegeist gewesen, betonte Vinçon vor dem Reigen der Grußworte, die in ihrer Reihenfolge der Lebensreise des Waldensers folgten. Aus Südfrankreich waren Michel Walter und Jean Jacques Dias gekommen. In Mérindol befindet sich der Sitz der französischen Waldenservereinigung. Das Ziel sei es, ein neues Museum zu bauen, luden sie ihre Zuhörer zur Eröffnung in drei Jahren ein. Für das Centro Culturale Valdese im italienischen Torre Pellice sprach Davide Rosso. Von den Waldensern könne man lernen, dass die Menschen auch heute noch zusammenstehen müssen. Pastor Christian Gysin von der Waldensergemeinde Basel erinnerte an Arnauds Zeit in der Schweiz und die zum Teil schwierige Aufnahme der Waldenser. „Wo geht es hin?“, blickte Pfarrer Andreas Reibold in seinem Grußwort für die Evangelische Landeskirche in Baden in die Zukunft. Er betonte den Zusammenhalt der Waldenser. Kirchenrat Klaus Rieth von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg betonte, dass man heute noch darauf angewiesen sei, von Minderheitenkirchen zu lernen. Die Waldenser seien Vorbild beim Glauben, in ihrer Glaubwürdigkeit und Treue. „Wir sind uns der Verpflichtung bewusst, den Waldenser-Gedanken und das Brauchtum weiterzutragen“, betonte Ötisheims Bürgermeister Werner Henle. Das verfolgt auch die Waldenservereinigung, die im Anschluss einen vom Enzkreis finanzierten siebenminütigen Film über die Waldenser vorstellte. Ebenso wurde ein neuer Audioguide präsentiert.

Auch die von Dr. Albert de Lange gemeinsam mit Kay Weidenmann und Hannelore Axter vorgestellte Sonderausstellung gibt neue Einblicke. Sie stellt den Menschen Henri Arnaud in den Mittelpunkt, der unter anderem unter Identitätsproblemen litt.

Wie aber kann man einen Pfarrer verstehen, dessen Motto „Ich predige, ich kämpfe“ lautete? Diese Frage stellte Pfarrer Markus Epting in dem vorangegangenen Gottesdienst in der Henri-Arnaud-Kirche, wo der Anführer der Glaubensflüchtlinge begraben ist. Arnaud hatte auch mit Waffen für die Glaubensfreiheit gekämpft. Tatsächlich, so der Theologe, könne Arnaud noch heute inspirieren. Damals wie heute gebe es Flüchtlinge, und solange es Ungerechtigkeiten gebe, sei der Christ aufgefordert, Widerstand zu leisten. Der Waldenseranführer habe sich als großer europäischer Streiter um die Integration verdient gemacht. Menschen müssten bereit sein, Verantwortung für andere zu übernehmen, so Epting im von Susanne und Carolin Becker (Violinen), Mario Ratsimba (Orgel) und Dorothea Vinçon (Gesang) gestalteten Gottesdienst, in dem die Gemeinde auch das Waldenserlied „Der Schwur von Sibaud“ anstimmte.

Dorothea Vinçon begrüßt die Gäste.

Dorothea Vinçon begrüßt die Gäste.

Aus der Schweiz in Waldenser-Tracht angereist: Valdesina Ricca Reale (li.) und Doza Naso Gysin.

Aus der Schweiz in Waldenser-Tracht angereist: Valdesina Ricca Reale (li.) und Doza Naso Gysin.

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