Zwischen Ekstase und Abschied
VfB
Bosnien-Herzegowina feiert trotz Verletzungssorgen, die Türkei träumt vom WM-Titel – und Robert Lewandowski lässt seine Zukunft offen.
Von sid
Zenica - Die WM-Play-offs liefern Fußball im Ausnahmezustand – zwischen überschäumender Freude und bitterem Schmerz.
Dzeko und Demirovic fahren zur WM Starspieler Edin Dzeko, VfB-Profi Ermedin Demirovic und ihre Teamkollegen feierten ihre Heldentaten ausgelassen bis tief in die Morgenstunden. Mit der linken Hand hielt der bosnische Kapitän bei der wilden Party im Nachtclub ständig sein Handy, um die Erinnerungen für seine 2,4 Millionen Follower auf Instagram festzuhalten. Schockstarre herrschte dagegen bei Schalke 04 mit Blick auf die Schlinge um Dzekos rechten Arm: Der Starstürmer dürfte das WM-Ticket teuer bezahlt haben – und dem Zweitliga-Spitzenreiter im Aufstiegsrennen länger fehlen.
„Der Arm ist nicht so schlimm, eine Operation wird wahrscheinlich nicht nötig sein“, sagte der Kapitän von Bosnien-Herzegowina am Mittwoch bei einer Pressekonferenz – um gleich noch eine vorsichtige Prognose hinterherzuschieben: „Ich hoffe, ich bin in einem Monat wieder dabei.“ Den 4:1-Sieg der Drachen im Elfmeterschießen verfolgte der 40-Jährige mit einem provisorischen Verband aus Tape, nachdem er in der allerletzten Minute auf die Schulter gefallen war.
„Ich hoffe, Edin kann bei der WM dabei sein, denn er hat nicht viel Zeit“, sagte Bosniens Nationaltrainer Sergej Barbarez mit Blick auf die erste WM-Teilnahme seines Landes nach 2014.
Türkei schon im WM-Fieber Die Fans strömten mit Autokorsos die Straßen der Türkei und verwandelten auch den Berliner Kurfürstendamm in eine nächtliche Partymeile, die Spieler um Arda Güler lagen sich in den Armen und schwenkten ihre Fahne, Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach sogleich vom Endspiel. Nach der erlösenden und lang ersehnten WM-Qualifikation kannte die Euphorie bei der Türkei kaum Grenzen.
„Ich wünsche unserer Nationalmannschaft, die nach 24 Jahren auf dieser größten Fußballbühne unsere Sternen- und Halbmondflagge hissen wird, viel Erfolg in den Gruppenspielen gegen Australien, Paraguay und die USA“, sagte Erdogan, „und anschließend in den Spielen, in denen wir hoffentlich bis ins Finale vordringen werden.“
Erst zum dritten Mal nach 1954 und 2002 nimmt die stolze Fußball-Nation am WM-Spektakel teil. Das hart erkämpfte 1:0 (0:0) nach dem Treffer von Kerem Aktürkoglu (57.) im Kosovo am Dienstag löste das erträumte Ticket nach Nordamerika. „Wir sehen uns bei der Weltmeisterschaft“, schrieb die Tageszeitung „Hürriyet“ auf dem Titelblatt. Erdogan zeigte sich „fest davon überzeugt, dass unsere Jungs wie immer das Trikot mit Halbmond und Stern von Sieg zu Sieg tragen und unsere Nation stolz machen werden“.
Mit Stolz erfüllt hat die Mannschaft um Kapitän Hakan Calhanoglu ihr Land bereits mit der Qualifikation. Die Stimmung in Pristina war ausgelassen, die Pressekonferenz von Nationaltrainer Montella stürmte das Team um den VfB-Profi Atakan Karazor und feierte. „Ich bin unglaublich stolz“, sagte Montella, „ich würde meine Spieler um nichts in der Welt eintauschen wollen.“
Auch der türkische Verbandspräsident Ibrahim Haciosmanoglu würdigte den Zusammenhalt des Teams. „Wenn man sich die Nationalmannschaft ansieht, sie lieben sich alle. Alle sind Freunde. Sie wissen, dass es ihr einziges Ziel ist, dieser geliebten Nation Freude zu bereiten“, sagte Haciosmanoglu – und ging mit seiner Zielsetzung sogar noch einen Schritt weiter als Erdogan: „Wir fahren in die USA und werden den Pokal mit zurück in die Türkei bringen.“
Polen: Abschied einer Ikone?
Robert Lewandowski schlich nach der Partie geschlagen vom Rasen der Strawberry Arena. Kurz nach dem zerplatzten WM-Traum sorgte der Starstürmer des FC Barcelona für einen weiteren Stich ins Herz der polnischen Fans. Der 37-Jährige deutete via Instagram nach dem 2:3 (1:2) in Schweden das Ende seiner Länderspielkarriere an. Er postete ein Foto, auf dem er mit Tränen in den Augen seine Kapitänsbinde in der Hand hält. Dazu läuft „Time To Say Goodbye“ von Sarah Brightman und Andrea Bocelli. „Fußball ist brutal“, klagte Lewandowski, der 165 Länderspiele absolviert und dabei 89 Tore erzielt hat, im polnischen Fernsehen. Seinen Rücktritt erklärte er allerdings (noch) nicht ausdrücklich.