Praktische Berufe aufwerten
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Der frühere Staatsminister Professor Julian Nida-Rümelin spricht beim Handwerkerforum
Pforzheim. Der vieldiskutierte Fachkräftemangel in Deutschland ist hausgemacht und keineswegs demografisch bedingt. Diese These vertrat der Philosoph und Ex-Staatsminister Professor Julian Nida-Rümelin bei einem Vortrag im Rahmen des Handwerkerforums. Vielmehr sei der Mangel auf eine Akademiker-Schwemme zurückzuführen, die den übrigen Bildungswegen das Potenzial entziehe. „Wir müssen aufpassen, dass wir in diesem Zuge nicht ungewollt das duale Ausbildungssystem abwracken“, sagte Nida-Rümelin.
Joachim Butz, stellvertretender Kreishandwerksmeister, Julian Nida-Rümelin, Stephan Scholl (Sparkasse Pforzheim Calw) und Handwerkskammer-Präsident Joachim Wohlfeil (v.li.). Foto: Wacker
In seinem hochengagierten und -konzentrierten Referat vor rund 100 Gästen in der Kundenhalle der Sparkasse untermauerte Nida-Rümelin, der zu einem der renommiertesten Philosophen Deutschlands gezählt wird, seine These stichhaltig mit Zahlen. Seit 2007 sei der Akademisierungsgrad in Deutschland von 35 auf 55 Prozent nach oben geschnellt. Dies sei eine gezielt herbeigeführte Entwicklung vor dem Hintergrund der Annahme, dass Deutschland im internationalen Vergleich zu wenig Akademiker habe. Diese Argumentation setzte Nida-Rümelin aber in einen Zusammenhang, der üblicherweise nicht gezogen wird: der Jugendarbeitslosigkeit. Länder mit einem hohen Akademikergrad hätten in der Regel auch eine hohe Jugendarbeitslosenquote, argumentierte Nida-Rümelin. Das liege daran, dass die spezifischen deutschen nicht-akademischen Ausbildungswege wie das duale Ausbildungssystem einen bruchlosen Übergang von der Ausbildung in den Beruf ermöglichten. Gleichzeitig belegte er mit einer weiteren Untersuchung, dass durch den derzeitigen „Akademisierungswahn“, wie er es nennt, Heere von arbeitslosen Akademikern produziert würden.
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