Plötzlich massenweise Masken

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Mund-Nasen-Schutz war im März Mangelware in Deutschland. Die Folge: ein Exportstopp – und ein Auftrag an ein Pforzheimer Unternehmen, das ab August 1,5 Millionen Masken wöchentlich fertigt.

Projektleiter Chris Bräuner (3.v.re.) erklärt eine der Produktionsstraßen für die vollautomatische Vliesmaskenfertigung in Pforzheim. Wewoda

Projektleiter Chris Bräuner (3.v.re.) erklärt eine der Produktionsstraßen für die vollautomatische Vliesmaskenfertigung in Pforzheim. Wewoda

(Foto: oda)

Von Frank Wewoda

Pforzheim/Enzkreis. So grenzüberschreitend, wie sich das Virus in einem Land nach dem anderen verbreitet, so groß sind auch die Chancen, dort überall ein wichtiges Utensil zu verkaufen. Es hilft den Menschen, ihren neuen, von Corona bestimmten Alltag mit Abstands- und Hygieneregeln zu meistern: Die Rede ist vom Mund-Nasen-Schutz, der plötzlich massenhaft gefragt ist.

Ein Exportverbot für Schutzmasken, verhängt vom Krisenstab des Bundes, war Anfang März die erste Reaktion, als die plötzlich extrem begehrte Bedeckung für Mund und Nase in Deutschland zur Mangelware wurde. Später beschlossen die Bundesregierung und das Bundesgesundheitsministerium die Ausschreibung von 40 Millionen OP-Masken mit dem höchsten Schutzstandard und von zehn Millionen Masken nach dem zweitbesten Schutzstandard FFP2.

Solche FFP-2-Masken sollen nun ab Mitte August in Pforzheim produziert werden, da das Unternehmen Admedes an der Rastatter Straße den Zuschlag des Bundesgesundheitsministeriums erhielt für die Produktion von 1,5 Millionen Vlies-Masken pro Woche. Der Medizintechnik-Hersteller mit aktuell 825 Beschäftigten verfügt über ein großes Know-how, etwa im Bereich der Produktion von Stents für Herzklappen und anderen Gefäßimplantaten, hat aber noch nie solche Masken produziert. Die Herstellung von Schutzmasken sei zwar technisch vergleichsweise ein Klacks, stellt der für den Aufbau der Maskenproduktion bei Admedes zuständige Projektleiter Chris Bräuner fest. Doch die Herausforderung liegt hier im extremen Zeitdruck. Die Vorgabe des Bundesgesundheitsministeriums für den Produktionsstart lautete 15. August. Vier Maschinenstraßen stehen nun bereits im ersten Obergeschoss bei Admedes im Bereich der Wilferdinger Höhe, in die vorne große Vlies-Rollen eingespannt und hinten die fertigen Masken bereits verpackt ausgespuckt werden. Zu 80 Prozent seien die Anlagen bereits fertig, informiert Bräuner. Die Maschinen arbeiten voll automatisiert. 400 000 Euro koste eine dieser Linien, zu 40 Prozent vom Bund aufgrund der Automatisierung bezuschusst. Finanziert werden die Maschinen allerdings von einem Partnerunternehmen. Der Pforzheimer Spezialist übernimmt Einrichtung, Aufbau und Betrieb. Für den regionalen Arbeitskreis Gesundheit und Pflege der CDU war diese besondere Rolle von Admedes in der Corona-Krise der Anlass, dem Weltmarktführer in einem Spezialbereich der Metallverarbeitung vor der eigenen Haustüre zu besuchen. Der Werkstoff, den Admedes beherrscht wie kaum ein anderes Unternehmen am Weltmarkt, heißt Nitinol. „Die Amerikaner sagen zu Pforzheim deshalb Nitinol City“, erzählt Frank Nauheimer, der Admedes-Geschäftsführer, und meint entsprechende Fachkreise.

In den USA hat Admedes 2007 eine Niederlassung eröffnet, die 52 Mitarbeiter zählt, eine weitere steht in Costa Rica. Diese können nun äußerst wichtig werden , weil Admedes bereits Anfragen aus den USA, Mexiko und etwa auch Indien zur Maskenproduktion vorlägen, betont Geschäftsführer Naumann. „Diese Länder wollen nicht in China bestellen“, lässt Naumann, spitzbübisch grinsend, wissen. Der Auftrag des Gesundheitsministeriums könnte somit der Einstieg sein in ein weltweites Millionengeschäft, das sich aus Asien zurück nach Europa verlagert. Genau dies ist ein Thema, das die christdemokratischen Politiker umtreibt, die sich an diesem Tag bei Admedes eingefunden haben. Es sind Mitglieder des Arbeitskreises Gesundheit, Bezirksverband Nordbaden, unter ihnen Karin Maag, die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU im Bundestag, und Gunther Krichbaum, Bundestagsabgeordneter für Pforzheim und den Enzkreis.

An dem Austausch zwischen der Admedes-Spitze und den CDU-Vertretern nahm auch Philippe Singer teil, CDU-Kandidat des Enzkreises für die Landtagswahl. Es zeigte sich beeindruckt vom unternehmerischen Engagement in der Region: „Wir werden künftig vor Ort mit einem Ausstatter für FFP2-Masken vertreten sein“, freute sich Singer. Gunther Krichbaum meinte, Admedes sei ein bewundernswertes Unternehmen, das hier am Standort Pforzheim hochmoderne Atemschutzmasken produziert, und weiter: „Ansehnlich gefördert wird dieses Projekt durch den Bund, um die Schutzausrüstungsproduktion in Deutschland zu gewährleisten.“ Was derzeit noch fehlt für den Produktionsstart in Pforzheim ist die gesetzliche CE-Kennzeichnung. Die Politiker sagten Unterstützung zu.

Hier werden die Masken automatisch aus Vliesbahnen gestanzt und mit Ohrenbändchen versehen.

Hier werden die Masken automatisch aus Vliesbahnen gestanzt und mit Ohrenbändchen versehen.

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