Kommentar: Noch lange keine Anti-Kriegsbewegung

Stuttgart

Kommentar: Noch lange keine Anti-Kriegsbewegung

Von Tobias Heimbach

Wer heute jung ist, wächst in einem anderen Europa auf als Generationen zuvor. Seit Russlands Überfall auf die Ukraine ist der Krieg zurück auf dem Kontinent. Die Nato sieht in Russland eine Bedrohung, auch Deutschland rüstet auf. Dass es in kommenden Jahren zu einem verpflichtenden Wehrdienst kommt, ist nicht ausgeschlossen.

Immer wieder demonstrieren Zehntausende dagegen. Und schon jetzt geht die Zahl der Kriegsdienstverweigerer nach oben. In den ersten drei Monaten des Jahres stellten 2656 Menschen einen entsprechenden Antrag. Im gesamten Jahr 2025 waren es 3867 Anträge. Das ist ein starker Anstieg. Doch eine Anti-Kriegsbewegung ist das nicht. Seit Beginn des Ukraine-Krieges steigen die Zahlen an. Zu Hochzeiten des Kalten Krieges, Anfang der 1980er Jahre, waren es jährlich mehr als 60 000 und 2010, kurz vor Aussetzung der Wehrpflicht, 131 000 Anträge – das rückt die aktuellen Zahlen ins Verhältnis.

Es wird immer junge Menschen geben, die nicht zur Bundeswehr gehen wollen. Dazu hat jeder das grundgesetzlich garantierte Recht. An den Kriegsdienstverweigerern wird die „Zeitenwende“ also nicht scheitern. Wahrscheinlich eher an der Bundeswehr selbst. Zwar wachsen auch hier die Einstellungszahlen, doch brechen zahlreiche junge Menschen wieder ab. Viele von ihnen zeigen sich enttäuscht von dem, was ihnen der Dienst bietet. Darum sollte sich die Bundeswehr kümmern. Und zwar schnell.