Immer mehr Eltern sind überfordert
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Fallzahlen in der Jugendhilfe steigen stark an – Veränderte Lebenswelten machen sich bemerkbar
Enzkreis. Innerhalb von fünf Jahren haben sich im Enzkreis die Fallzahlen individueller Jugendhilfe um über die Hälfte erhöht, die der darin enthaltenen ambulanten Hilfen sogar verdoppelt. Wie Wolfgang Schwaab, Leiter des Enzkreis-Jugendamts, im zuständigen Kreistagsausschuss berichtete, seien weder Arbeitslosigkeit noch der Bezug von Sozialhilfe entscheidend dafür, dass Kinder oder Jugendliche in Situationen geraten, in denen sie und ihre Familien Unterstützung von außen benötigten. Selbst Kinder, die von der Trennung ihrer Eltern betroffen seien, seien nicht auffällig häufiger auf Hilfen angewiesen. Eine tragende Rolle für Negativentwicklungen würden hingegen diverse Begleitumstände durch veränderte Lebenswelten spielen, so Schwaab. Dies beginne mit unzureichenden Kompetenzen zur Lebensbewältigung der Erwachsenen einhergehend mit mangelnder Vorbereitung auf die Elternschaft. Auch das Gefühl allgemeiner Überforderung oder zunehmende Anforderungen im Arbeitsleben könnten den Erziehungsauftrag erschweren. Die Kinder würden in solchen Situationen meist nur unzureichende elterliche Zuneigung erfahren, umso weniger dann noch, wenn es fortwährenden Streit der Bezugspersonen gebe, sagte Schwaab. So würden Kinder häufiger psychisch labil. Die Folge: exzessiver Medienkonsum durch Fernsehen und Computerspiele und das Abtauchen in mediale Parallel- oder Ersatzwelten, die sozialen Netzwerke bieten. Letzteres sei indes auch bei vielen Erwachsenen in solchen Situationen zu erleben. Dazu kämen noch Suchtprobleme.
Organisiert werden persönliche Hilfen für Familien durch den Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamts. Solche Unterstützung kann sozialpädagogische Familienhilfe bedeuten, etwa zur Begleitung der Familie bei der Krisenbewältigung. Wenn solche Hilfsangebote nicht ausreichen oder auch nicht angemessen sind, kann auch die Aufnahme des Kindes in eine Pflegefamilie in Betracht kommen, denkbar aber auch in einer Einrichtung der Heimerziehung.
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