Expeditionen ins Tierreich

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Reportagen rund um die Uhr: Mittwoch, 9.15 Uhr, unterwegs im Wald von Sternenfels, wo sich die vierbeinigen Stars des Wildgeheges extrem kamerascheu gebärden, ihre Existenz aber doch nicht verleugnen können.

Sternenfels. Was ist noch wild in diesen durchorganisierten Zeiten? Das Gehege im Wald von Sternenfels. Und wie es aus einer zuverlässigen Quelle sprudelte, sollen sich die geheimnisvollen Bewohner an bestimmten Stellen ihres Reiches sogar dazu herablassen, Jogger mit einem Blick in sanfte Damwild- und Mufflonaugen für ihre Mühen zu belohnen.

Expeditionen ins Tierreich

Der Gemeine Erd-Bär – wenigstens dieser Waldbewohner wagt sich bedenkenlos aus der Deckung.

Die Schreiberin dieser Zeilen ist ganz wild darauf. Nun hat sie zwar seit den unter der Rubrik Trauma abgehefteten Erfahrungen im Schulsport das Thema Waldlauf ad acta gelegt. Doch ist sie guten Mutes und willens, zumindest als Spaziergängerin eine Expedition zu starten. Der Informant hat sie mit einer detaillierten Wegbeschreibung versorgt, und so kann das Abenteuer an einem warmen Frühsommermorgen beginnen. Verwaist ist um 9.15 Uhr der Wanderparkplatz einige Hundert Meter vor dem Sternenfelser Ortseingang. Keine andere Menschenseele stört das Konzert aus Vogelstimmen und leiser werdenden Motorengeräuschen, in das die mit Block, Stift und Kamera Bewaffnete eintaucht. Süß und schwer riecht die Luft, kündet von Holunder und Holz, dessen Abholer sich irgendwann durch frauhohe Brennnesseln werden arbeiten müssen. Aber sie sind nicht da, sehen nicht die rosafarbenen Wildrosen, nicht die Wilderdbeeren, nicht die Kirschen, die sich unvermutet ins Bild schieben. Und sie hören nicht das schwarze Insekt, das den Eindringling auf zwei Beinen umschwirrt wie die sprichwörtlichen Motten das Licht. Nein, ein Blutsauger ist es nicht, stellt die mit Papier und Kamera Wedelnde fest, aber offenbar ein ebenso lautes wie in seiner Anhänglichkeit geradezu rührendes Wesen. Dirk soll es heißen, wenn es schon da ist, beschließt die Spaziergängerin, als sie resignierend den Block sinken lässt.

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