Eiszeit

Enzkreis

Ein Polizeieinsatz am Rossweihersorgt für heftige Diskussionen.

Eiszeit

Von Thomas Eier

Weinende Kinder, geschockte Eltern, Polizeibeamte, die im Naturschutzgebiet aufmarschieren, und ein Hubschrauber, der in geringer Höhe über den Köpfen harmloser Ausflügler kreist ... Was die Zeugen berichten, klingt dramatisch, und ihr Urteil steht fest: Mit ihrem Einsatz am Maulbronner Rossweiher hat die Polizei weit überzogen und sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Medienberichten zufolge gab es an frostigen Tagen in der fernen Hauptstadt Berlin ähnliche Vorgänge mit Hubschraubern – und die Reaktionen fallen dort nicht minder heftig aus. Während in der Vergangenheit Zehntausende Querdenker dicht gedrängt und ohne Masken aufmarschierten, sollen ausgerechnet die Sonntagsausflügler, die die Gunst der Stunde auf einem gefrorenen See nutzen, ein Sicherheitsrisiko darstellen? Ist es wirklich Aufgabe der Polizei, zumal auf diese Art und mit diesem Aufwand, etwas Spaß unter freiem Himmel zu unterbinden? Und überhaupt: Klagt die Polizei nicht immer über zu wenig Personal, das plötzlich, wenn es darum geht, nicht die Kuh, sondern Familien mit Kindern vom Eis zu kriegen, im Überfluss vorhanden scheint?

Kein Wunder, dass die Wellen der Empörung hochschlagen über dem mittlerweile aufgetauten Rossweiher, und dennoch gibt es, wie so oft, eine Kehrseite. Die Beamten, die Gefahr witterten, weil sich zu viele – rechtlich gesehen – auf dünnem Eis bewegten, konnten nicht so tun, als hätten sie nichts gesehen. Natürlich ist es ein Verstoß gegen Corona-Auflagen, wenn gemeinsam Eishockey gespielt wird, und warum sollte die Polizei genau das tolerieren, wenn gleichzeitig Bolzplätze gesperrt sind und Sportvereine und Wandergruppen pausieren?

Schlittschuh laufen ist am Rossweiher aus Naturschutzgründen verboten, und alte Gepflogenheiten, die von Einheimischen ins Feld geführt werden, können für die Polizei, wenn sie Verstöße sieht, kein Maßstab sein. Sie setzt eine Rechtslage durch, für die sie nicht verantwortlich ist, und wenn, wie das Präsidium berichtet, Leute erst reagieren und dann durch einen erneuten Verstoß provozieren, trägt das nicht zur Deeskalation bei.

Fazit: Wer sich gegängelt fühlt, sollte sich auch und zuerst beim Gesetzgeber beschweren und nicht beim ausführenden Organ. Frostige Reaktionen und kritische Fragen, ob die Strategie der Polizei passte, sind aber verständlich und berechtigt. Nur gut, denkt sich der Bürger und Steuerzahler, dass es wärmer geworden ist – das spart Kosten für weitere Hubschraubereinsätze am Weiher.

Siehe Bericht auf Seite 13

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