Bei Buddenbrooks zu Hause
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Hörgenuss der besonderen Art
Pforzheim. Er findet, es ist egal, ob man Würstchen isst oder Gans: „Es sind immer die gleichen Erwartungen an den Weihnachtsabend.“ Und er macht an diesem Abend ebenfalls den Eindruck, als ob auch ein gestandener, längst erfolgsverwöhnter Schauspieler noch Erwartungen an diesen einen Abend im Jahr haben könnte. Zumindest schafft der 72-jährige Friedrich von Thun es, diese am Donnerstagabend im Großen Saal des Kulturhauses zu wecken – mit einem Kapitel aus Thomas Manns „Die Buddenbrooks“. Man errät es unschwer: Es ist das Weihnachtskapitel.
Von Thun. Foto: Roth
Vorweihnachtliche Erwartungen wecken, das tut von Thun, obwohl das ein Kinderspiel für ihn wäre, an diesem Abend nicht alleine. Um das Katzentischchen herum, das man ihm als „Vorleser“ zugewiesen hat, von einem kleinen Weihnachtsbaum auf der einen Seite und einem kleinen Gesteck auf der anderen Seite umrahmt, gruppiert sich ein kleines, aber feines Musiker-Ensemble: das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Leitung von Timo Handschuh. „Ich bin nicht mehr pünktlich zu den Proben gekommen, ich stand im Stau. Für mich ist es also genauso überraschend“, sagt der Schauspieler Friedrich von Thun, der diese erneute Kooperation des Orchesters mit dem Haus Osterfeld krönt. Die hoch aufragende Gestalt des Friedrich von Thun, der in seinem facettenreichen Schauspielerleben schon auf dem von Emotionen schwankenden Traum-Schiff stand, aber auch im Konzentrationslager „Schindlers Liste“ in Händen hielt, ist immer eines und an diesem Abend besonders: ein Mann mit einer Ausstrahlung, die einen in Sicherheit wiegen lässt, dessen Stimme zum Anlehnen einlädt, dessen Ausstrahlung eines freundlichen Wesens wie Balsam auf die Seele träufelt. Irgendwie passt es auch, dass von Thun aus dem Kapitel „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ liest.
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